{"corpus":"steiner","locus":"GA 184/1918-09-08/p048","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist eine Grundanforderung unserer Zeit, daß man sich bekanntmache damit und einsehe, daß, wenn wir die schönsten Begriffe haben, die der menschliche Verstand fassen kann, die schönsten Begriffe, die ganz gut ausreichen, um die Natur, die um uns herum ausgebreitet ist, zu erforschen, wir doch niemals etwas verstehen werden von der Geschichte. Denn die Geschichte spielt sich nicht ab so, wie sich das Naturleben abspielt; Geschichte spielt sich ab als Taten geistiger Wesenheiten. Das ist das, was sich zu den andern Weltanschauungen hinzufinden muß. Von der Theokratie, wie ich es Ihnen gestern geschildert habe, sind die Menschen ausgegangen, indem sie sich während der Zeit der Theokratie noch erinnert haben an das alte Hereinragen der theokratischen Ordnung; dann ist die metaphysische Zeit gekommen, die im wesentlichen das Verwaltungsbeamtentum der ganzen Welt ausgebildet hat; dann ist die rein materialistische Zeit gekommen, die Zeit der Industriellen. Das würde vollständig hineinführen in das Irreale gegenüber dem Geistigen, wenn nicht das Gegengewicht kommen würde des Sich-wieder-Hineinarbeitens in das Reale, in das Wirkliche, das man aber nur betrachten kann, wenn man aufsteigen kann zu dem, was sich für den Menschen im gewöhnlichen Leben im heutigen Zeitenzyklus verhüllt. Wir müssen wieder lernen, von übersinnlichen Dingen zu sprechen, wenn wir von Geschichte sprechen wollen. Im 19. Jahrhundert hat man vielfach von geschichtlichen Ideen gesprochen - nun, jeder weiß, daß man mit Ideen eben keinen Baum umhacken kann; aber daß das geschichtliche Leben der Menschheit von Ideen bewirkt wird, das glauben zum Beispiel die Ranke-Anhänger und ähnliche Historiker. Das wird man einsehen müssen, daß auch diese Zeit, die bloße metaphysische Zeit, überwunden werden muß, sonst wird überwuchern jene Weltanschauung, die rein auf das Sinnliche beschränkt ist. Es muß die Menschheit dem Spirituellen sich entgegenarbeiten. Das kann sie nur, wenn sie zunächst wenigstens auf dem Gebiet der Geschichte sich durcharbeitet von der Scheingeschichte in der zeitlichen Aufeinanderfolge bis zu dem realen Geschehen, das hinter der äußeren sinnlichen Wirklichkeit so greifbar, möchte ich sagen, gerade bei der Geschichte ist. Dann wird man aber auch nicht mehr soziale oder ähnliche Programme machen aus Ideen heraus, die bloß auf das äußere Leben sich beziehen, sondern dann wird man seine sozialen Programme wiederum aus den Offenbarungen der geistigen Welt heraus verkünden. Von diesen Offenbarungen aus der geistigen Welt heraus sind jene Programme, die die Menschen heute machen, aber sehr, sehr verschieden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-09-08","location":null,"word_count":388,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-08/p048","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-08/p048"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/184/1918-09-08/p048","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}