Vierter Vortrag
Das ist etwas tiefer erfaßt die Grundlage des Dualistischen im Menschen, dieses Dualistischen, das überbrückt werden muß, das aber nicht überbrückt werden kann, wenn man bloß an Theorien sich wendet, sondern das nur überbrückt werden kann, wenn man sich an die Tatsachen selber wendet, an die Tatsachen des geistigen Lebens, wenn man weiß, daß anders urständet unser Intellekt in der Welt als unser Wollen. Mit unserem Intellekt und unserem Wollen ist es so, wie wenn man ein Kind und einen Greis nebeneinanderstellt und sich künstlich täuschen würde, indem man das Abstraktum Mensch aufstellt, das eben ein bloßes Abstraktum ist, und sagt: Das Kind ist ein Mensch, und der Greis ist ein Mensch. — Solche Begriffe liegen ja den heutigen Menschen, indem sie alles durcheinanderwerfen. So auch stellt man heute die Behauptung von der einheitlichen Seele auf und glaubt, die Seele als solche urstände in gleicher Weise mit dem intellektuellen Denken wie mit dem liebenden Wollen, während man in der Weise, wie ich es eben angedeutet habe, wenn man den Menschen wirklich, tatsächlich verstehen will, unterscheiden muß. Das, was wir durch bloßen Intellekt als Weltanschauung denken, kann daher niemals an die Wirklichkeit heran, bleibt Halluzination, weil es herkommt von einem Durchsetztsein unseres Intellekts mit geistiger Wesenheit, welche nicht zu dieser Welt gehört: mit ahrimanischgeistiger Wesenheit, die nicht zu der Weltenordnung gehört, in die wir mit unseren Augen hinausblicken. Ebenso ist es auf der andern Seite in bezug auf das Wollen, das durchsetzt ist mit luziferischer Wesenheit.
Cite:
GA 184/1918-09-13/p030 · edition original