{"corpus":"steiner","locus":"GA 184/1918-09-13/p034","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun aber bereitet sich dasjenige, was in irgendeinem Zeitalter geschieht, immer lange vor. Und studieren kann man doch eigentlich immer nur dasjenige, was besonders signifikant in einem bestimmten Zeitalter hervortritt. Indem wir gründlich dabei zu Werke gehen wollen, die Brücke zu schlagen im Dualismus der Gegenwart, wollen wir vor allen Dingen noch einmal hinschauen einerseits auf das Halluzinatorische des Intellektes, das zusammenhängt mit alldem, was ich geschildert habe, und auf der andern Seite auf das Illusorische der Naturerscheinungen, was wiederum zusammenhängt mit dem, was ich geschildert habe. Dadurch wird der Mensch in eine Art von Seelenzwiespalt im Leben hineingeführt. Es wirkt in ihm, ich möchte sagen zweiströmig, das, wofür er anstreben muß, daß es einströmig wirke. Und die eine Strömung wirkt heute besonders verführerisch: diejenige Strömung, die aus dem Verhältnis hervorgeht, das der Mensch mit seiner Seele zur Naturordnung hat. Der heutige Mensch, der darinnen eine gleichgeartete Wirklichkeit für alle Dinge sieht — der ‚Anatom, wenn ich ein naheliegendes Beispiel wähle, oder der Physiologe -, nimmt heute den menschlichen Leib und unterscheidet nur äußerlich, nicht innerlich, die einzelnen Glieder dieses Leibes. Er legt, möchte ich sagen, das Herz neben die Leber und untersucht beide nur rein äußerlich, nimmt nicht Rücksicht auf die Zeitperspektive, von der ich neulich gesprochen habe; während in der Tat man über die Natur des Herzens sowohl wie der Leber nur einen ordentlichen Aufschluß bekommt, wenn man diese Zeitperspektive berücksichtigt, wenn man zum Beispiel wirklich geisteswissenschaftlich in der Embryologie so vorgeht, daß man zeitlich unterscheiden lernt in der Anlage des Embryonalen die Anlage des Herzens, und ferner, daß man sie nicht einfach nebeneinander und aus Zellen bestehen läßt, was einerseits richtig und andererseits ein Unsinn ist. Denn etwas kann zu gleicher Zeit richtig und ein Unsinn sein, wie wir wissen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-09-13","location":null,"word_count":293,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-13/p034","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-13/p034"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/184/1918-09-13/p034","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}