{"corpus":"steiner","locus":"GA 184/1918-09-13/p035","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wie also die heutige Wissenschaftsströmung die Naturordnung sich erklären will, nimmt sie gewissermaßen keine Rücksicht auf dasjenige, was zeitlich auseinanderliegt, stellt es nebeneinander und kommt dadurch zu ihrer Abstraktion. Da ist die Versuchung besonders groß, einfach eines so neben das andere zu stellen: Ursache, Wirkung; Ursache, Wirkung; Ursache, Wirkung - abstrakte illusorische Kausalordnung! Wir wissen aus den Darstellungen, die ich Ihnen hier im vorigen Jahr und auch schon dieses Jahr gegeben habe, daß man so die Natur nicht betrachten kann, daß die Natur nur erklärlich wird, wenn man sie in erster Linie als Abbild betrachtet eines Geistigen. Da kommt man dann zur wahren Metamorphosenlehre, da kommt man zum wirklichen Goetheanismus. Da erscheint einem das Haupt des Menschen als eine Bildung, die abbildet urferne Vergangenheit; da erscheint einem der Extremitätenorganismus als dasjenige, was hinweist auf eine ferne Zukunft. Aber da ist dasjenige, was im einzelnen dasteht, nicht nur nach Ursachen nebeneinander, sondern es ist Imagination, Abbild eines hinter ihm Stehenden. Wir begreifen das menschliche Haupt nicht, wenn wir es nur so begreifen, wie wenn es heraufwüchse aus dem übrigen menschlichen Organismus, während es in Wahrheit gebildet ist aus dem ganzen Kosmos heraus, und auf andere Art aus dem Kosmos heraus, als zum Beispiel der Extremitätenorganismus. In der Physik würde es jeder lächerlich finden, wenn man erklären will, eine Magnetnadel zeige deshalb immer nach Norden, weil sie innerlich die Kraft hat, nach Norden zu zeigen; sondern man erklärt es sich in dem einen Pol und in dem andern Pol daraus, daß der Kosmos, also der Erdenmagnetismus, richtunggebend für die Magnetnadel ist. Nur beim Menschen oder sonst beim Organismus soll alles geradlinig herauswachsen aus ihm selber! Geradeso wie die Magnetnadel aus kosmischen Gründen auf der einen Seite nach Norden, auf der andern Seite nach Süden weist, so weist - jetzt aus zeitlich-kosmischen Gründen - der Mensch mit seinem Haupt nach rückwärts in urferne Vergangenheiten, sogar in Vergangenheiten, in denen sich die Erde selber metamorphosiert hat, und er weist mit seinem Extremitätenorganismus in urferne Zukünfte hin. Er ist zeitlich kosmisch orientiert. Und das wird die Ausbildung der Metamorphosenlehre sein, das ist wirklicher Goetheanismus: das Aufsteigen von der bloßen illusorischen Kausalordnung zu der Auffassung der Natur durch Imagination. Indem man dasjenige, was man vor sich hat, als Bild erkennt von einem andern, erhebt man sich über die bloße Illusion.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-09-13","location":null,"word_count":384,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-13/p035","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-13/p035"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/184/1918-09-13/p035","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}