Zehnter Vortrag

GA 184/1918-10-04/p038 ·1918-10-04 · original (original)
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Was haben wir sagen müssen von Ahriman? Er macht ähnlich das Ähnliche. Ich habe Ihnen den konkreten Fall des Ähnlichen in der Menschennatur angeführt, das mit dem Ahrimanischen zusammenhängt. Diesem Ähnlichen, dem muß ebenso ein Gegengewicht geschaffen werden oder geschaffen sein - man kann natürlich nicht teleologisch sprechen, also geschaffen sein -, es muß da sein dieses Gegengewicht, welches eigentlich gegen die Ähnlichkeit wirkt. Nur führt man sonderbarerweise vielfach die Ähnlichkeit zurück auf dieses Gegengewicht durch einen der verworrenen Begriffe, die da kommen, wenn man sich nicht einläßt auf tiefere Zusammenhänge. Das Gegengewicht für die Ähnlichkeit ist die Vererbungskraft: wir sind nicht nur ähnlich in der Form, die auf unsere Gestaltung führt, sondern wir tragen in uns innere Vererbungskräfte. Durch diese Vererbungskräfte, die wir in uns tragen, wirken wir eigentlich der Ähnlichkeit der Form entgegen. Nur eine verworrene Wissenschaft schiebt Ähnlichkeit und Vererbung zusammen. Wir sehen unseren Eltern ähnlich, bekommen aber zu gleicher Zeit von unseren Eltern in unserem inneren Menschen gewisse Kräfte mitvererbt, die danach streben, uns wiederum zum Urbilde des Menschen zurückzuführen. Eigentlich ist das, was wir vererbt bekommen, im Kampfe gegen die Ähnlichkeit. Eine feinere Betrachtung des Menschenlebens kann schon darauf kommen, selbst ohne übersinnliche Betrachtung, ganz durch äußerliche Betrachtung. Versuchen Sie einmal, das Leben in der rechten Weise zu fragen, versuchen Sie einmal, Menschen zu betrachten, die ihren Eltern, Großeltern und so weiter nach dieser oder jener Formeigenschaft besonders ähnlich sehen, und sehen Sie dann auf die vererbten moralischen Impulse: dann werden Sie sehen, daß die vererbten moralischen Impulse in der Regel entgegengesetzt wirken den gleichen Formgestaltungen.

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Cite: GA 184/1918-10-04/p038 · edition original