Dreizehnter Vortrag

GA 184/1918-10-11/p013 ·1918-10-11 · original (original)
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Da pulst eben eine wichtige Erkenntnis, wenn diese Erkenntnis auch mehr oder weniger negativer Natur ist: darinnen pulst die Erkenntnis über das Naturwissen der Gegenwart. Dieses Naturwissen soll nämlich über die Natur handeln, es soll gewissermaßen vorstellungsgemäß die Natur vergegenwärtigen für das moderne Bewußtsein. Aber wenn man nun wirklich Umschau hält in den Vorstellungen, die man sich heute bildet über die Natur gerade in den allergelehrtesten Zusammenhängen, dann findet man, daß das menschliche Bewußtsein heute eigentlich kurioserweise auch nichts anderes tut, als Gespenster ausdenken, nur daß die Alten Gespenster über die Götter ausgedacht haben, und die modernen Menschen Gespenster über die Naturtatsachen ausdenken. Denn dasjenige, was sich die modernen Menschen als Naturwissenschaft vorstellen, ist nicht die Natur, sondern verhält sich zur Natur wie ein Gespenst zu der Wirklichkeit. Das ahnt nämlich solch ein Mensch wie Richard Wahle, daß das Zeitalter der Bewußtseinsseele darauf kommen muß: Wir sind gar nicht so sehr erhaben über unsere Vorfahren; die verwendeten die Bewußtseinskräfte und bildeten sich Vorstellungen von Gespenstern, und wir bilden uns auch Vorstellungen von Gespenstern. Der Unterschied ist nur der, daß die Vorfahren schönere Gespenster hatten als die Gespenster sind, welche die heutigen naturwissenschaftlichen Denker fabrizieren, und die im Grunde genommen schreckliche Gespinste von abstrakten Begriffen sind. Aber Gespenster sind es, wie die Gespenster unserer Vorfahren Gespenster waren, Und nicht anders verhalten sich diese Gespenster der Naturwissenschaft, verhält sich diese gespenstische Naturwissenschaft selber zur Wirklichkeit, als die alten Gespenster sich zu der göttlichen Wirklichkeit verhielten.

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Cite: GA 184/1918-10-11/p013 · edition original