Fünfter Vortrag
Ein zweites muß noch paradoxere Empfindungen in dem Menschen der Gegenwart hervorrufen, der ganz und gar keine Neigung hat, solche Dinge schon aufzunehmen, aber vielleicht wird sich gerade aus dieser Antipathie in nicht gar zu ferner Zeit die Sympathie für das Richtige stark entwickeln. Ein zweites ist: Die Menschen werden sich ganz anders verstehen. Vor allen Dingen werden die beiden Jahrtausende, die noch verfließen werden bis zum Ende dieses fünften nachatlantischen Zeitraums, dazu dienen. Allerdings werden die beiden Jahrtausende nicht ausreichen, es wird das, was ich jetzt sage, etwas länger dauern, es wird sich noch hineinerstrecken in den sechsten nachatlantischen Zeitraum; aber es wird sich dann zu jener Ich-Erkenntnis, von der ich eben gesprochen habe, noch eine besondere Fähigkeit entwickeln: am Menschen zu spüren, zu erfassen, indem wir ihm entgegentreten, seine Beziehung zu der dritten Hierarchie, seine Beziehung zu den Angeloi, Archangeloi und Archai. Und dies wird sich dadurch entwickeln, daß man immer mehr und mehr erkennen wird, wie die Menschheit in einer anderen Weise, als das gegenwärtig der Fall ist, sich zur Sprache verhalten wird. Die Sprachentwickelung hat ja ihren Höhepunkt bereits überschritten. Das konnten Sie aus dem entnehmen, was ich gerade in den Vorträgen dieses Herbstes Ihnen vorgebracht habe. Die Sprachentwickelung hat ihren Höhepunkt überschritten. Die Sprache ist in Wirklichkeit schon etwas Abstraktes geworden. Und es geht gegenwärtig nur eine Welle tiefster Unwahrhafligkeit über die ganze Erde hin, indem Ordnungen in der Menschheit angestrebt werden, die irgend etwas zu tun haben sollen mit den Sprachen der Völker, denn die Menschen haben nicht mehr das Verhältnis zur Sprache, das durch die Sprache hindurch auf den Menschen sieht, das durch die Sprache hindurchsieht auf das Wesen des Menschen.
Cite:
GA 185/1918-10-26_02/p016 · edition original