{"corpus":"steiner","locus":"GA 186/1918-12-08/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Hier liegt einer der Punkte, wo sich dieses Denken als illusionär, als ganz wirklichkeitsfremd entpuppt. Ich könnte viele solche Punkte anführen; aber ich will Ihnen ja nur die besondere Konfiguration dieses Denkens vor Augen führen. Ich will Ihnen zeigen an einzelnen Beispielen, wie sich dieses Denken als wirklichkeitsfremd erweist. Man kann sich eben nicht einfach ausdenken: das oder jenes soll geschehen, sondern man muß mit den in der Wirklichkeit vorhandenen gesetzmäßigen Impulsen rechnen. Lebt man nicht mit ihnen, so verfällt man eben notwendig Illusionen. Und eine der bedeutsamsten Illusionen bei Trotzki ist zum Beispiel diese: Trotzki weiß, daß durch die ganz besonders starke Unterdrückung, welche die breiten Massen auch des Bauernptoletariats - man kann es schon so nennen — gerade in Rußland erfahren haben, daß da sich die Verhältnisse außerordentlich zuspitzen mußten. Das weiß er, daß die Form, welche die Revolution unter diesen besonderen Verhältnissen annimmt, nicht zum Siege führen kann. Er ist wirklichkeitsfremd, aber nicht so wirklichkeitsfremd, daß er nicht vernünftigerweise einsehen würde, daß man auf einem auch noch so großen Gebiete, das aber im Verhältnis zu der gesamten Erde doch ein kleines Gebiet ist, einseitig nicht eine neue soziale Struktur unter den heutigen Verhältnissen herbeiführen kann. Daher rechnete Trotzki auf die Revolutionisierung durch das Proletariat über die ganze zivilisierte Welt hin und gab sich nicht dieser Illusion hin, daß die russische Revolution für sich allein siegen könnte. Er wußte, daß sie abhängt von dem Siege der proletarischen Revolution über die ganze Welt hin.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-12-08","location":null,"word_count":245,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/186/1918-12-08/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/186/1918-12-08/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/186/1918-12-08/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}