{"corpus":"steiner","locus":"GA 186/1918-12-08/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein Wort ist ungeheuer charakteristisch, welches in russischen revolutionären Köpfen immer wiederum auftritt. Was wollen denn eigentlich diese Diktaturproletarier im großen und ganzen? Sie wollen die Welt zu einer großen Fabrik machen, zu einer Fabrik, durchsetzt von einer Art von Bankbuchhaltungssystem, das sich über die ganze Gruppe, die man umfassen kann, ausdehnt. — Die alten Techniker, die alten Beamten, selbst die alten Generäle, die wollen wir uns schon herrichten für unsere proletarische Diktatur! Aber die Buchhaltung müssen wir in Händen haben, die Buchung für die Gesamtwirtschaft, das heißt das Fabrikkontor! - Das ist auch gar nicht zu verwundern, denn die ganze Bewegung ist hervorgegangen aus der modernen Industrie. Würde man nur das bedenken, daß sie aus dem Proletariat der modernen Industrie hervorgegangen ist, so würde man sich auch nicht wundern, daß die Denkungsweise dieses Proletariats, die sich an dem herangebildet hat, was es in den Fabriken gesehen hat, angewendet werden soll auf alles das, was man nun in die Hand bekommen kann. Es ist natürlich die Folge und Konsequenz davon, daß die Bourgeoisie nicht darauf achtgegeben hat, daß sich dieses Proletariertum in so ungeheurer Ausdehnung in der neueren Zeit heraufentwickelte. Und wenn es auch eine Notwendigkeit war, daß die Bourgeoisie sozusagen die Augen zugedrückt hat und ruhig alles heraufkommen ließ, so ist es doch nicht eine Notwendigkeit, daß nun auch die noch wichtigeren Verhältnisse, die in der Welt liegenden Motivkräfte, unberücksichtigt bleiben; denn ohne die Berücksichtigung dieser Motivkräfte gibt es keine Möglichkeit, sich mit den sozialen Aufgaben bekannt zu machen. Da muß man wissen, wie differenziert die Menschheit über die ganze Erde hin ist - ich sagte es schon gestern oder vorgestern. Da muß man wissen, daß im Westen eine andere Menschheit lebt als im Osten und in der Mitte, und daß man nicht mit abstrakten Ideen, ohne Rücksicht auf die Wirklichkeiten zu nehmen, irgendwelche soziale Gestaltung hervorrufen kann. An ihrer Wirklichkeitsfremdheit wird die russische Revolution als an ihrer großen Illusion Schiffbruch leiden müssen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-12-08","location":null,"word_count":324,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/186/1918-12-08/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/186/1918-12-08/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/186/1918-12-08/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}