Achter Vortrag

GA 186/1918-12-13/p005 ·1918-12-13 · original (original)
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Jedenfalls sehen Sie hier tumultuarisch auch diese Frage: Wie kann sich der Mensch seines Menschenwesens, seines Menschenwertes und seiner Menschenkraft gleichsam bewußt werden? - gleich im Anfange einer programmatischen Rede in den Mittelpunkt einer Betrachtung gerückt. Und so werden Sie, wenn Sie genauer zusehen, bei vielen ‘ Menschen der selben Erscheinung begegnen. Man versteht diese Erscheinung nur - ich meine jetzt die Art, wie das, was man durch Geisteswissenschaft klarer einsieht, unklar in den Köpfen spukt -, man versteht dieses Spuken, diese Erscheinung nur, wenn man auch mancherlei, was wir noch weniger betrachtet haben, mit Bezug auf das soziale Denken des fünften nachatlantischen Zeitraums ins Auge faßt. Eigentlich wird ungeheuer vieles anders, und zwar mit einem gewissen Sprung anders, seit jener Zeit, wo sich dieser fünfte nachatlantische Zeitraum im fünfzehnten nachchtistlichen Jahrhundert an den vierten, der damals endete, anreiht — der, wie Sie wissen, im achten vorchristlichen Jahrhundert begonnen hat. Die Menschen merken nur nicht, wie sich eigentlich die seelische Konstitution der zivilisierten Menschheit beim Übergange zum Beispiel aus dem dreizehnten, vierzehnten in das fünfzehnte, sechzehnte Jahrhundert radikal geändert hat. Ich habe Ihnen ja auf künstlerischem Gebiete, auf dem Gebiete des Gedankens, auf anderen Gebieten mannigfaltige Erscheinungen angeführt, aus denen Sie diese Änderung ersehen können. Heute wollen wir noch etwas ins Auge fassen, was ganz besonders für die Kräfte, die in der Gegenwart und der nächsten Zukunft spielen, von Bedeutung ist. Eigentlich kann man sagen, daß in bewußter Weise das öffentliche wirtschaftliche Leben, das öffentliche nationalökonomische Leben, wie es sich in die soziale Struktur hineinstellt, erst seit dem Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraums beobachtet wird. Vorher war das, worüber die Menschen heute nachdenken, mehr oder weniger instinktiv in die Erscheinung getreten. Im Grunde fängt man erst gegen das sechzehnte Jahrhundert zu an, bewußt die Frage aufzuwerfen: Was ist Volkswirtschaftsordnung? Was ist die beste Volkswirtschaftsordnung? Welche Gesetze liegen der Volkswirtschaftsordnung zugrunde? — Und aus diesen Betrachtungen entwickeln sich dann die Impulse der sozialistischen Weltanschauung bis heute. Früher waren diese Dinge mehr oder weniger instinktiv geordnet worden, von Mensch zu Mensch, von Assoziation zu Assoziation, von Innung zu Innung, von Korporation zu Korporation, oder auch wohl von Reich zu Reich. Erst mit dem Heraufkommen des modernen Staatsgebildes, das ja ungefähr auch erst seit dem sechzehnten Jahrhundert datiert, sehen wir das Nachdenken über wirtschaftliche Fragen.

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Cite: GA 186/1918-12-13/p005 · edition original