Achter Vortrag

GA 186/1918-12-13/p030 ·1918-12-13 · original (original)
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Das ist sehr gesetzmäßig in der modernen Entwickelung des Menschen. Nehmen Sie das, was ich vorhin als äußerliche Charakteristik des modernen Strebens vorgeführt habe. Der Mensch strebt danach, zu erkennen, was er ist als Mensch, was er wert ist als Mensch, welche Kraft er hat, was seine Würde ist als Mensch. Der Mensch strebt danach, sich als Menschen selber anzuschauen, endlich zu einem Bilde seines eigenen Wesens zu kommen. Man kann nicht zu einem Bilde des Menschen kommen, wenn man innerhalb der Sinneswelt stehenbleiben will, denn der Mensch erschöpft sich nicht in der Sinneswelt, der Mensch ist nicht bloß ein sinnliches Wesen. In den Zeitaltern der instinktiven Entwickelung, wo man nicht nach einem Bilde des Menschen oder nach der Menschenwürde oder nach der Menschenkraft fragt, da kann man vorbeigehen an der Tatsache, daß, wenn man den Menschen erkennen will, man aus der Sinneswelt hinausgehen und in die geistige Welt hineinsehen muß, daß man mit der übersinnlichen Welt wenigstens in irgendeiner Form intellektuell in unserem Zeitalter des Bewußtseins Bekanntschaft machen muß. Da wirkt aber dann unbewußt dasselbe, was bewußt der zu Initiierende zu überwinden hat. Unbewußt wirkt zunächst noch in unseren Zeitgenossen und in den Menschen, deren soziale Gedanken ich Ihnen geschildert habe, diese Furcht vor dem Unbekannten, das betrachtet werden muß. Furcht, Mutlosigkeit, Feigheit, das ist es, wovon die moderne Menschheit beherrscht ist. Und wenn diese moderne Menschheit sagt: Wirtschaft ist das Handgreifliche, was alles bewirkt — so ist diese Anschauung dadurch entstanden, daß man sich fürchtet vor dem, was unsichtbar ist, was nicht handgreiflich ist. Dem will man sich nicht nähern, das will man vermeiden, das biegt man zur Ideologie, zur Fata Morgana um. Und man biegt es deshalb zur Ideologie, zur Fata Morgana um, weil man sich davor fürchtet. Ein Furcht-, ein Angstpunkt ist die moderne soziale Weltanschauung in bezug auf diejenigen Punkte, die ich Ihnen charakterisiert habe. Mögen manche Menschen, die sich innerhalb des Strebens dieser modernen sozialen Weltanschauung äußerlich noch so mutvoll zeigen, auf der einen Seite noch so couragiert sein — vor dem Spirituellen, das ihnen entgegentreten muß in irgendeiner Form, worin sie den Menschen kennenlernen wollen, vor dem haben sie Furcht, vor dem treten sie feig zurück. Ein Furchtprodukt, ein Angstprodukt, das ist es, was in den modernen sozialistischen Weltanschauungen zutage tritt.

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Cite: GA 186/1918-12-13/p030 · edition original