Neunter Vortrag

GA 186/1918-12-14/p003 ·1918-12-14 · original (original)
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Ich möchte heute einige prinzipielle Betrachtungen anstellen zu denjenigen Dingen, die wir jetzt schon seit längerer Zeit als unsere Aufgabe betrachtet haben. Wenn darüber nachgedacht wird, wie die hier gemeinte Geisteswissenschaft solche Fragen, die Fragen des Lebens sind, betrachten, beantworten kann, so muß vor allen Dingen Sorgfalt darauf verwendet werden, sich einmal recht klarzumachen, daß diese Geisteswissenschaft, und damit unsere Zeit und die Zukunft überhaupt, andere Anforderungen an die Vorstellungsart, an die Denkart des Menschen stellt, als man es eigentlich nach den Denkgewohnheiten, namentlich nach den aus der Wissenschaft und ihrer Popularisierung hervorgehenden Denkgewohnheiten der unmittelbaren Vergangenheit und auch der Gegenwart gewohnt ist. Sie wissen ja, daß alles, was Geisteswissenschaft auf irgendeinem Gebiete zu sagen hat, also auch auf sozialem Gebiete, und namentlich auf sozialem Gebiete, der Ausdruck von geistigen Forschungstesultaten ist, die nicht auf bloß rationalistischem Wege, auf bloß abstraktem Wege gewonnen werden, sondern die herausgeholt werden aus der geistigen Wirklichkeit. Verstanden werden können sie, das wissen Sie, wenn man einfach den gesunden Menschenverstand auf sie anwendet — aber gefunden können sie nur werden, wenn man aufsteigt von dem gewöhnlichen Bewußtsein, wie es auch das rationelle, das abstrakte Denken, das Naturforschen und so weiter umfaßt, zu dem imaginativen, inspirierten, intuitiven Bewußtsein. Das, was auf dem Wege der Imagination, der Inspiration, der Intuition zutagetritt, das wird formuliert in ausdrucksfähigen Vorstellungen, Ideen, und das bildet den Inhalt der Wissenschaft, welche anthroposophisch orientiertes Forschen zu geben hat.

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Cite: GA 186/1918-12-14/p003 · edition original