Neunter Vortrag

GA 186/1918-12-14/p005 ·1918-12-14 · original (original)
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Ich will Ihnen durch einen sehr trivialen, einfachen Vergleich klarmachen, daß für das gewöhnliche, rein abstrakt verlaufende Denken der Irrtum entstehen kann. Es soll ja aus einem Gedanken ein anderer folgen; und wenn man dann sieht, er folgt als Gedanke nicht, so glaubt man, er müsse falsch sein, während der Wirklichkeit gemäß die Sache aber doch richtig ist. Wirklichkeitskonsequenzen fallen nicht zusammen mit bloßen Gedankenkonsequenzen; Wirklichkeitslogik ist etwas anderes als bloße Gedankenlogik. In unserem Zeitalter glaubt man, weil metaphysisch die juristische Denkweise alle Köpfe ergriffen hat, daß alles umfaßt werden muß mit dem, was man als Gedankenlogik gewöhnt ist. Aber das ist nicht der Fall. Sehen Sie, wenn Sie einen Würfel haben, dessen Seiten, sagen wir, dreißig Zentimeter lang sind, also einen Würfel, der nach allen Seiten dreißig Zentimeter Ausdehnung hat, und es sagt Ihnen jemand: Dieser Würfel ist in einer Höhe von anderthalb Metern über dem Fußboden hier in diesem Saal zu finden, so können Sie mit Ihrer bloßen Gedankenlogik schließen aus dem, was er Ihnen sagt, ohne daß Sie in dem Zimmer sind, wo der Würfel ist: er muß auf etwas stehen. Es muß ein Tisch da sein, der entsprechend hoch ist, denn der Würfel kann nicht in der Luft schweben. - Also dies können Sie schließen, auch wenn Sie gar nicht dabei sind und Sie nicht die Erfahrung, das Erlebnis davon haben.

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Cite: GA 186/1918-12-14/p005 · edition original