Neunter Vortrag
Das ist natürlich ein extremer Fall, der aber auch einmal eintreten könnte, der Ihnen nur begreiflich machen soll, daß im Leben andere Konsequenzen gezogen werden als im bloßen Denken. Deshalb stehen die Menschen heute so furchtbar fern der Wirklichkeit, weil sie solche Dinge nicht durchschauen, weil sie nicht gewillt sind, dasjenige, was sich früher instinktiv gemacht hat, auch wirklich ins Bewußtsein umzusetzen. Die Instinkte der früheren Zeiten, die haben schon gefühlt: Da oder dort wird das oder jenes entstehen. Die Instinkte sind nicht geneigt gewesen, immer nur das Gedankenlogische vorauszusetzen. Die Instinkte haben bereits logisch gewirkt. Aber heute ist man in eine gewisse Unsicherheit hineingekommen, und diese Unsicherheit wird naturgemäß im Zeitalter der Entwickelung der Bewußtseinsseele immer größer und größer werden, wenn nicht das Gegengewicht geschaffen wird, das darin besteht, daß man auch bewußt Wirklichkeitslogik aufnimmt. Und man nimmt sie in dem Augenblicke auf, wo man den hinter der sinnlichen Wirklichkeit befindlichen Geist in seinem Wesen, in seinen Vorgängen wirklich ins Auge faßt.
Cite:
GA 186/1918-12-14/p010 · edition original