Neunter Vortrag

GA 186/1918-12-14/p017 ·1918-12-14 · original (original)
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Nun weiß ich, daß natürlich diejenigen Menschen, die Symptome für Wirklichkeiten nehmen, mir jetzt eine Erwiderung machen könnten. Ein handfester Positivist, der würde sagen: Oh, das ist so einfach wie möglich zu erklären. Die Bolschewisten haben ihre intelligenten Leute alle aus Zürich bezogen. In Zürich hat Avenarius gelehrt, und die sind Schüler des Avenarius gewesen, die jetzt unter den Bolschewisten als intelligente Leute wirken. Außerdem hat als Privatdozent ein Schüler Machs gewirkt, der junge Adler, der dann den Srürgkh in Österreich erschossen hat. Bei dem haben zahlreiche Anhänger von Lenin, sogar vielleicht Lenin selber, verkehrt, die haben diese Dinge aufgenommen, das hat sich übertragen. Das ist also ein reiner Zufall. — Ich weiß selbstverständlich, daß handfeste, klotzig positivistische Leute das so erklären können. Aber ich habe Ihnen auch neulich auseinandergesetzt, daß man dann die ganze dichterische Persönlichkeit Robert Hamerlings zurückführen kann darauf, daß der brave Rektor Kaltenbrunner das Gesuch des Hamerling um eine Lehrstelle in Budapest verbummelt hat und infolgedessen ein anderer die Stelle in Budapest bekommen hat. Hätte der Kaltenbrunner dieses Gesuch nicht verbummelt, so wäre Hamerling damals in den sechziger Jahren nach Budapest als Gymnasiallehrer gekommen und nicht nach Triest. Und wenn Sie nun ins Auge fassen, was Hamerling alles geworden ist dadurch, daß er in Triest an der Adria sein Leben zugebracht hat zehn Jahre lang, so werden Sie sehen, daß das ganze dichterische Leben Hamerlings ein Ergebnis davon ist. Äußerlich hat aber der brave Rektor Kaltenbrunner am Gymnasium in Graz das Gesuch verbummelt, und dadurch hat er Veranlassung gegeben, daß Hamerling nach Triest gekommen ist. Man muß eben nicht diese Dinge als Wirklichkeiten, sondern als Symptome nehmen für dasjenige, was sie innerlich ausdrücken.

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