Neunter Vortrag
Und nun könnte ich Ihnen vieles erzählen, was allerdings Ihnen als eine Notwendigkeit erscheinen lassen würde, daß solche Philosophien, wie die des Avenarius und des Mach lebensgemäß schon zu den Konsequenzen des allerradikalsten Sozialismus der Gegenwart führen. Denn hinter den Kulissen des Daseins sind es dieselben Geister, welche Avenariussche oder Machsche Philosophie hereinträufeln in die menschlichen Bewußtseine, und welche das in die menschlichen Bewußtseine hineinträufeln, was zum Beispiel zum Bolschewismus führt. Nur kann man nicht logisch das eine von dem andern ableiten. Aber die Wirklichkeit leitet es ab. Die ist etwas, was ich Sie bitte, sich tief in Ihre Herzen einzuschreiben, damit Sie auch darinnen etwas haben von dem, was ich immer wieder betone. Es ist heute einmal vonnöten, daß man von dem bloßen logischen Gestrüppe, von dem man heute illusionär die Wirklichkeiten durchsetzt denkt, zu der wahren Wirklichkeit den Übergang findet. Sieht man auf Symptome, weiß man Symptome zu werten, dann wird die Sache vielleicht doch manchmal ernster. Da will ich Sie auf etwas hinweisen, auf das der andere, der nicht Geisteswissenschafter ist, nicht so aufmerksam wird, weil er es mehr als Phrase, als etwas Gleichgültiges nimmt. Sehen Sie, Mach, der Positivist, aber radikaler Positivist ist, er kommt darauf, daß eigentlich alles Empfindung ist. Die Lehre, die auch der junge Adler als Privatdozent in Zürich vorgetragen hat, die sicher viele für ihn, für Mach und für Avenarius eingenommen hat, besagt, daß alles Empfindung ist, daß wir keine Berechtigung haben, Physisches und Psychisches zu unterscheiden. Draußen der Tisch ist genau in demselben Sinne physisch-psychisch, wie meine Vorstellungen physisch- psychisch sind, und Begriffe sind bloß zur Ökonomie da.
Cite:
GA 186/1918-12-14/p019 · edition original