Neunter Vortrag
Aber bei Mach war das Eigentümliche, daß er instinktiv manchmal zurücktrat von seiner eigenen Weltanschauung, von dieser radikalen, positivistischen Weltanschauung. Er trat zurück und sagte dann: Ja, wenn ich mir nun nach allen Errungenschaften der Neuzeit klarmache: Es hat keinen Sinn, davon zu sprechen, daß außer meiner Empfindung noch etwas da ist, oder daß ich physisch oder psychisch unterscheiden soll, so werde ich doch immer wieder veranlaßt, wenn ich den Tisch vor mir habe, nicht bloß von der Empfindung zu sprechen, sondern zu glauben, daß da draußen noch etwas physisch vorhanden ist. Und wiederum, wenn ich eine Vorstellung, eine Empfindung, ein Gefühl habe, so habe ich nicht bloß die Wahrnehmung, das, was sich abspielt, das Phänomen, sondern ich glaube — obwohl ich weiß nach der Wissenschaft, die ich mir bilden kann, daß das keine Berechtigung hat -, daß drinnen Seele ist und draußen Objekt. Ich fühle mich veranlaßt, das zu unterscheiden. Was ist denn das eigentlich? — Mach sagt sich: Wie komme ich zu solch einer Sache, daß ich ganz plötzlich annehmen muß: da drinnen ist irgend etwas Seelisches, da draußen etwas Außerseelisches. Ich weiß, daß das aber gar keine Unterscheidung ist. Ich werde veranlaßt, etwas anderes zu denken, als was mir meine Wissenschaft sagt — sagt sich Mach zuweilen, wenn er von den Dingen zurücktritt, das steht in seinen Büchern. Er macht dann eine Bemerkung und sagt: Manchmal ist es einem dann so, daß man die Frage aufwirft, ob man denn als Mensch von einem bösen Geiste im Kreise herumgeführt werde? Und er antwortet: Ich glaube das letztere.
Cite:
GA 186/1918-12-14/p020 · edition original