Neunter Vortrag

GA 186/1918-12-14/p031 ·1918-12-14 · original (original)
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Verständnis für diese Dinge, die gerade aus der Wirklichkeit herausgegriffen sind, findet man allerdings jetzt noch wenig. Ich habe 1905 in «Luzifer-Gnosis» den Aufsatz « Theosophie und soziale Frage » veröffentlicht. Ich habe damals aufmerksam gemacht auf den obersten Grundsatz, der geltend gemacht werden muß, um das Produkt von der Arbeit loszulösen: daß nur darinnen das Heil der sozialen Frage bestehen kann, daß man richtig denkt über Produktion und Konsumtion. Heute denkt man ganz im Sinne der Produktion. Umgedacht muß werden! Die Frage muß von der Produktion abgelenkt, auf die Konsumtion gerichtet werden. Man konnte im einzelnen manchen Ratschlag geben, der aber wiederum durch die Unzulänglichkeit der Verhältnisse und durch sonstiges Unzulängliche nicht die rechten realen Folgen haben konnte. Das hat man ja auch manchmal erfahren. Aber es ist tatsächlich so, daß die Menschen heute durch den Glauben an gewisse logische Konsequenzen, die sie als wirkliche Konsequenzen nehmen, keinen Sinn dafür haben, daß auf die Wirklichkeit hingeschaut werden muß. Die Wirklichkeit ergibt aber auch gerade auf sozialem Gebiete erst die richtigen Fragestellungen. Sie werden es natürlich heute leicht erleben, daß Ihnen die Leute sagen: Ja, aber siehst du denn nicht, daß gearbeitet werden muß, wenn Ware da sein soll? — Gewiß muß gearbeitet werden, wenn Ware da sein soll. Logisch folgt ja auch die Ware aus der Arbeit. Aber die Wirklichkeit ist etwas anderes als die Logik.

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Cite: GA 186/1918-12-14/p031 · edition original