Erster Vortrag
In neuen Worten muß sprechen die neue Geistverkündung, und wir müssen nicht stumpf und gehörlos sein gegenüber dem, was in unserer von Ernst durchdrungenen Zeit an neuen Offenbarungen des Geistes zu uns spricht. Dann, wenn wir so empfinden, dann leben wir auch mit jener Kraft, mit der heute der Mensch leben soll, um die großen Aufgaben zu lösen, die der Menschheit gerade in unserem Zeitalter gestellt sein werden. Empfunden werden muß die ganze Schwere des Weihnachtsgedankens: In unserem Zeitalter muß in das volle wache Bewußtsein hereintreten das, was der Christus zu den Menschen sagen wollte, als er die Worte sprach: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnet ihr nicht eintreten in die Reiche der Himmel.» Der Gleichheitsgedanke, den das Kind offenbart, wenn wir es in richtigem Sinne anschauen, der wird nicht Lügen gestraft durch diese Worte; denn das Kind, an dessen Geburt wir uns in der Weihnachtsnacht erinnern, verkündet — den Menschen in ihrer Entwickelung durch die Weltgeschichte immer neue Gedanken offenbarend klar und deutlich, daß in das Licht des Christus, der durchseelt hat dieses Kind, gerückt werden muß dasjenige, was wir an uns differenzierenden Begabungen tragen, daß auf dem Altare dieses Kindes dargebracht werden muß dasjenige, was diese verschiedenen Begabungen aus uns Menschen machen.
Cite:
GA 187/1918-12-22_02/p020 · edition original