{"corpus":"steiner","locus":"GA 188/1919-01-03/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Zu den auf diese Art zustande gekommenen Mißverständnissen kann nun auch gehören, daß man glaubt, die Geisteswissenschaft wolle in Bausch und Bogen ein Verdammungs-, ein Vernichtungsurteil aussprechen über das ganze Streben der Zeit, insofern dieses Streben von Persönlichkeiten ausgeht, die außerhalb der Geisteswissenschaft stehen. Aber auch da liegt nur ein Mißverständnis vor. Gerade der Geisteswissenschafter, der ernst und würdig den heutigen Weltzustand ins Auge faßt, wird wohl eingehen auf die Gemütslage, auf die Seelenstimmung der Zeitgenossen und wird sich die Frage vorlegen: Was geht in den Seelen der ernsten Zeitgenossen der Gegenwart vor, in der Richtung, in der eine Besserung manches Verbesserungswürdigen oder Verbesserungsnotwendigen eben gesucht werden muß? — Was aber hier vor allen Dingen als eine besonders in der Gegenwart außerordentlich markante Tatsache ins Auge gefaßt werden muß, das ist, daß gerade abgelehnt wird, manchmal von den strebendsten Zeitgenossen abgelehnt wird das konkrete Eingehen auf das Wissen von der geistigen Welt, auf die Erkenntnis von der geistigen Welt, die als eine Wirklichkeit vor den Menschen treten kann und nicht bloß als etwas, was man durch eine Summe von Begriffen erschließt. Die meisten Menschen möchten eben heute mit ihren Erfahrungen nur in der Sinneswelt stehenbleiben und eine geistige Welt höchstens zugeben als durch Begriffe, durch Ideen erschließbar. Sie möchten sich nicht anschließen an eine Forschung, welche von Mitteln spricht, in die geistige Welt erlebnisgemäß wirklich einzudringen. Dieses Ablehnen der wirklichen Geistigkeit, das ist allerdings ein charakteristischer Zug unserer Zeit; das ist ein Zug unserer Zeit, den insbesondere wir, die wir versuchen, uns auf den Boden der Geisteswissenschaft zu stellen, berücksichtigen müssen. Sonst bleiben wir doch außerhalb dieser Geisteswissenschaft stehen, uns nur auf sie einlassend als wie auf etwas, was neben andern Dingen, die in der Gegenwart zutage treten, doch auch berücksichtigt werden sollte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-01-03","location":null,"word_count":293,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/188/1919-01-03/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/188/1919-01-03/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/188/1919-01-03/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}