Erster Vortrag

GA 188/1919-01-03/p007 ·1919-01-03 · original (original)
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Der Aufsatz ist heute veraltet. Die Gefahr ist nicht weniger groß geworden, aber da er alle Argumente aus dem noch vorhandenen Kriegswüten ableitet, so sind seine Argumente veraltet. Uns aber muß hier insbesondere der erste Satz interessieren, den ich vorgelesen habe: «Daß ein furchtbares Schicksal der weißen Menschheit winkt, scheint mir unter allen Umständen gewiß, es sei denn, daß eine Periode supremer Weisheitsherrschaft sehr bald die der Leidenschaft und Wahnvorstellungen ablöst.» - Denn das ist in der Tat als abstrakte Wahrheit unbedingt richtig. Und wenn jemand es einmal ausspricht, daß die einzige Rettung der Menschheit in dem Sich-Hinwenden zu einer supremen Weisheitsherrschaft liegt, und nicht zu irgendwelchen andern politischen oder sozialen Quacksalbereien, dann müssen wir eine solche Tatsache, eine solche Gedankenrichtung anerkennen. Aber wir dürfen dabei eben durchaus nicht vergessen, daß gerade solche Menschen, von denen wir zugeben müssen, daß sie in allen Tiefen ihres Wesens ergriffen sind von dem Ernst der Zeitlage, daß gerade solche Menschen, wenn es sich nun darum handelt, zu sagen, worin denn die Weisheitsvorstellungen bestehen, die die alten Wahnvorstellungen ablösen sollen, daß sie dann doch gleich wieder zurückfallen auf irgendwelche, zu schönen Worten gewordene alte Wahnvorstellungen. Denn das ist gerade die Tragik, das ist das furchtbare Schicksal unserer Zeit, daß die Menschen zwar aufmerksam darauf werden: Es ist notwendig, zum Geiste sich hinzuwenden -, daß sie aber immer Furcht und Angst überkommt, wenn sie sich zum Geiste hinwenden sollen; daß sie dann gleich wieder bereit sind, nach den alten Wahnvorstellungen zu greifen, die die Menschheit hineingetrieben haben in das gegenwärtige furchtbare Schicksal. Wir brauchen ja nur das Beispiel einer sehr verbreiteten Vorstellungsrichtung zu nehmen.

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