Erster Vortrag

GA 188/1919-01-03/p009 ·1919-01-03 · original (original)
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Es ist heute leicht, selbst für einen als echt geltenden Anhänger dieser oder jener Kirche, zu sagen: Der Haeckelismus oder der Materialismus, das ist eine Teufelssache, das muß mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. — Das ist das Gegenteil von dem, was die Menschen: in eine heilsame Seelenverfassung hineinführen kann. Ja, man kann wohl so sprechen, aber wenn man bei dieser Aussage bleibt und nicht die Zusammenhänge untersucht, die dabei in Betracht kommen, dann wird man unmöglich zu etwas kommen können, was der Gegenwart und noch weniger der nächsten Zukunft heilsam sein kann. Denn wenn Sie irgendeine materialistisch gefärbte Weltanschauungsempfindung aufnehmen und sich fragen: Woher kommt sie historisch? — dann werden Sie, wenn Sie wirklich Einsicht gewinnen wollen, gar nicht umhin können, sich zuletzt doch zu sagen: sie kommt ja im Grunde gerade aus der Art, das Christentum zu vertreten, wie dieses Christentum tausendneunhundert Jahre lang von den verschiedenen Konfessionen vertreten worden ist. Der Tiefersehende weiß, daß Haeckelismus ohne das vorangehende Christentum der Kirche gar nicht möglich gewesen wäre. Es gibt Leute, die sind auf dem Standpunkt der Kirche zurückgeblieben, sagen wir, wie sie im Mittelalter war; die vertreten heute noch immer die Gedanken, die die Kirche im Mittelalter gehabt hat. Andere haben diese Gedanken weitergebildet. Und diejenigen, die sie weitergebildet haben, unter denen ist zum Beispiel Ernst FHaeckel. Er ist ein gerader Abkömmling der durch die verschiedenen Kirchen jahrhundertelang gepflogenen Vorstellungen. Das ist nicht außerhalb der Kirche entstanden, das ist im tieferen Sinne durchaus innerhalb der Kirchenlehren entstandene Wahrheit. Allerdings, richtig die Zusammenhänge erkennen wird man erst dann, wenn man sich ein wenig befruchtet mit geisteswissenschaftlichen Einsichten, um diese Dinge ins Auge zu fassen.

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