Erster Vortrag

GA 188/1919-01-03/p029 ·1919-01-03 · original (original)
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Dasjenige, was wir verlieren, indem wir in die Abstraktion hineinschreiten, das müssen wir dadurch paralysieren, daß wir unsere abstrakten Spiegelbilder mit Geistigem ausfüllen, daß wir das Geistige aufnehmen in die Abstraktion hinein. Dadurch kommen wir vorwärts. Der Mensch ist vor dem Hüter der Schwelle, sei es bewußt oder unbewußt, vor die furchtbare Entscheidung gestellt: entweder durch die abstrakten Begriffe nur «tierischer als das Tier» zu werden und «in jeden Quark seine Nase zu begraben», um mit Goethes «Faust» zu sprechen, oder aber in dem Augenblicke, wo er in die Abstraktion eintritt, in diese abstrakten Begriffe dasjenige hineinzugießen, was aus geistigen Welten herausströmt, so wie wir das in diesen Tagen charakterisiert haben. Dann beginnt der Mensch seine Stellung innerhalb der Welt erst richtig zu würdigen, denn dann faßt er sich auf als in der Entwickelung begriffen, dann weiß er, warum ihm in einem bestimmten Punkte dieser Entwickelung die Gefahr droht, herunterzusinken in die Tierheit gerade durch die Abstraktionen. Als der Mensch auf der Tierstufe stand in primitiven Kulturperioden, da unterschied er sich durch seine Sinne von den Tieren, nicht durch seine abstrakten Begriffe. Die abstrakten Begriffe hatten die Tiere besser. Er kann diese abstrakten Begriffe erst heute zur Not entwickeln. Die Tiere haben sie viel besser. Ich habe es einmal ausgeführt durch ein anderes Beispiel, indem ich Ihnen sagte: Wie lang ist es denn her, daß in der geschichtlichen Entwickelung der Mensch versucht hat, Papier zu machen? Die Wespe macht ihr Nest aus Papier, die kann es seit Jahrmillionen! Und sehen Sie sich an, was aber in wirkendem, waltendem Verstand an Klugheit, an Intellektualität, an Abstraktionsvermögen durch die Tiere zutage tritt, wenn auch durch die verschiedenen Tiere in einseitiger Weise. Man nennt es törichterweise Instinkt. Aber wenn man die Sache durchschaut, so weiß man: Die weitaus wenigsten Menschen sind heute mit dem, was sie an Abstraktionsvermögen haben, so weit, daß sie etwa über die Einseitigkeiten der heutigen Tierklassen mit dem, was sie aus ihrem Abstraktionsvermögen bereiten, hinaus wären.

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