Erster Vortrag

GA 188/1919-01-03/p032 ·1919-01-03 · original (original)
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Der Mensch lernt dadurch aber überhaupt befruchten sein ganzes Anschauen der Welt. Und er lernt gerade das befruchten, was ihn in Wirklichkeit vom Tiere schon immer unterschieden hat. Es ist ja der Mensch im Grunde genommen recht unaufmerksam auf seine eigenen Fähigkeiten, und er wird immer unaufmerksamer werden, wenn er im Zeitalter der Bewußtseinsseele nur die Intellektualität ausbildet. Wenn man zurückgeht in frühere Zeiten, findet man bei sinnreichen Menschen noch sehr häufig, daß sie auch einen gewissen Sinn hatten für die Umgebung. Wenn man die Vorstellungen nimmt, die sich frühere Menschen über gewisse Tiere zum Beispiel bildeten, so sind diese oft sinnreich. Die Vorstellungen der heutigen Zoologiebücher sind manchmal vom Standpunkte der Abstraktionsbildung aus ja ganz brav und recht anerkennenswert, aber sinnreich sind sie nicht. Vor allen Dingen möchte ich Sie einmal fragen, ob unter den Vorstellungen, die Sie heute in der Schule aufnehmen, wirklich solche sind, die Sie sinnvoll hereinführen können, sagen wir in das Leben der Tiere? Sehen denn heute die Menschen noch, hinschauend über eine große Anzahl von Tieren, den ängstlichen Blick, mit dem ganze Scharen, ganze Gruppen von Tieren in die Welt schauen, den furchtsamen, ängstlichen Blick? Oh, wir werden ihn wieder sehen lernen, wenn wir durch das Abstraktionsvermögen nur so weit gekommen sind, daß es uns zum Hüter der Schwelle getrieben hat, daß wir wiederum Mitgefühl entwickeln können mit dem Tiere! Nicht jenes Mitgefühl, das heute oftmals künstlich anerzogen wird, sondern das einem elementaren inneren Erleben entspricht. Man kann sagen: Über die gesamten höheren Tiere, die gesamten warmblütigen Tiere, breitet sich aus ein eigentümliches Ängstlichsein, ein ängstliches Hineinschauen in die Welt. Ich ging einmal mit einem Manne, der akademisch gebildet war, und wir sahen von einem gewissen Punkte des Weges aus Rehe, Hirsche, die vor allem möglichen davonliefen. Da sagte dieser Mann zu mir: Da muß doch dem irgendwie zugrunde liegen, daß in alten Zeiten die Menschen die Tiere gequält haben, geschossen haben oder dergleichen, und dadurch haben sich die Tierseelen gewöhnt, sich vor dem Menschen zu fürchten. — Aber die Tiere fürchten sich ja auch vor anderem, nicht bloß vor dem Menschen.

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