Das Zeitalter Kants und Goethes

GA 18a/band_i_03_das_zeitalter_kants_und_goethes/p020 · original (original)

Als Goethe im Jahre 1811 Jacobis Buch „von den göttlichen Dingen“ las, machte es ihm „nicht wohl; wie konnte mir das Buch eines so herzlich geliebten Freundes willkommen sein, worin ich die These durchgeführt sehen sollte, die Natur verberge Gott! Mußte, bei meiner reinen, tiefen, angeborenen und geübten Anschauungsweise, die mich Gott in der Natur, die Natur in Gott zu sehen unverbrüchlich gelehrt hatte, so daß diese Vorstellungsart den Grund meiner ganzen Existenz machte, mußte nicht ein so seltsamer, einseitig beschränkter Ausspruch mich dem Geiste nach von dem edelsten Manne, dessen Herz ich verehrend liebte, für ewig entfernen? Doch ich hing meinem schmerzlichen Verdrusse nicht nach, ich rettete mich vielmehr zu meinem alten Asyl, und fand in Spinozas Ethik auf mehrere Wochen meine tägliche Unterhaltung, und da sich indes meine Bildung gesteigert hatte, ward ich im schon Bekannten gar manches, das sich neu und anders hervorthut, auch ganz eigen frisch auf mich einwirkte, zu meiner Verwunderung gewahr.“

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/18a/band_i_03_das_zeitalter_kants_und_goethes/p020.json
Cite: GA 18a/band_i_03_das_zeitalter_kants_und_goethes/p020 · edition original