Antisocial Impulses and the Threefold Social Organism
Torenmuster denkt man eigentlich immer mit Bezug auf den sozialen Organismus! Das bewirkt, daß dieser soziale Organismus immer wiederum durchzittert und durchbebt werden muß von Erschütterungen, die, wenn das Mißverstehen des sozialen Lebens ganz besonders lange dauert, eben revolutionsartige Erschütterungen und sogar Revolutionen im Großen werden müssen. Weil in den letzten Jahrhunderten die Menschen sich verrannt haben in alle möglichen sozialen Illusionen, deshalb ist der furchtbare revolutionäre Zug in unserer Zeit entstanden. Was kann da nur helfen? Es kann nur helfen, das soziale Leben als etwas wirklich Lebendiges anzusehen. Was ist denn eigentlich eine Revolution? Sehen Sie, eine Revolution ist nichts anderes als das, was sich summiert aus lauter notwendigen kleinen Revolutionen. Revolutionen gibt es nämlich immer. Wie im natürlichen menschlichen Organismus, der auch von einer Sättigungsperiode zur anderen sehr bedeutsame Revolutionen durchmacht, so gibt es immer Revolutionen im sozialen Organismus. Warum? Weil es gar nicht anders sein kann, als daß durch das Zusammenwirken der individuellen menschlichen Fähigkeiten, des geistigen Anteiles des Menschen mit dem Wirtschaftsleben fortwährend die Neigung entsteht, daß einzelne Menschen die Oberhand gewinnen über andere. Diese Tendenz ist einfach im Wirtschaftsleben und im geistigen Leben immer vorhanden. Es ist im Wirtschaftsleben zum Beispiel immer die Neigung vorhanden, Kapital zu bilden. Würde diese Neigung des Wirtschaftslebens nicht vorhanden sein, Kapital zu bilden, so würde das Wirtschaftsleben überhaupt er-sterben müssen. Denn nur durch das Kapital ist es möglich, daß in unserer fortgeschrittenen Zeit die komplizierten Produktionsmittel da sind.
Cite:
GA 190/1919-03-21/p008 · edition original