Antisocial Impulses and the Threefold Social Organism

GA 190/1919-03-21/p009 ·1919-03-21 · original (original)
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Aber die Arbeitsleistung an diesen Produktionsmitteln läßt sich durch gar nichts anderes erreichen als durch die individuellen menschlichen Fähigkeiten. Indem sich Kapital bildet, bilden sich selbstverständlich immer kleine Revolutionsherde. Und das Regieren muß darinnen bestehen, wachsam zu sein über das Bilden der kleinen Revolutionsherde. Fortwährend muß der Revolution entgegengearbeitet werden, aber nicht indem man frägt: Wie kann man verhindern, daß Kapital entsteht? -, sondern: Was muß mit dem Kapital geschehen, wenn es eine gewisse Zeit hindurch an einem Orte sich entwickelt hat? -Es muß übergeleitet werden von der einen Individualität auf die andere! Das ist es, worauf es ankommt. Es muß der Weg gefunden werden, auch für die materiellen Güter, die sich in den Produktionsmitteln ausdrücken, der, wie ich neulich zu Ihnen gesagt habe, für das schofelste Gut, das die heutige Menschheit als schofelstes Gut eben ansieht, als der gangbare befunden wird. Was man geistig produziert, geht nach einiger Zeit für die Familie des Produzenten verloren, es geht in die Allgemeinheit über. Die materiellen Güter müssen sogar schon in dem Augenblicke, wo sie keinen Zusammenhang mehr haben mit der individuellen Fähigkeit des Menschen, ihren Übergang finden in den sozialen Organismus, so daß sie wiederum durch andere individuelle Fähigkeiten am besten verwertet werden. Sozialistische Denker stellen heute mit Bezug auf den sozialen Organismus ganz falsche Fragen. Sozialistische Denker fragen heute? Wie kann man das Privateigentum an Produktionsmitteln, auch an Grund und Boden, verhindern? Das heißt: Wie kann man das Leben des sozialen Organismus abtöten? Man hat eben gesehen im Lauf der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, daß das Privatkapital an Produktionsmitteln und an Grund und Boden große Schäden hervorbringt. Die einfachste Frage scheint dann diese: Wie schafft man dasjenige, was Schäden hervorbringt, ab, wie läßt man es gar nicht aufkommen? Aber das ist eine ertötende Frage. Eine lebendige Frage ist diese: Was macht man mit dem Privatkapital, damit es nicht weiter Schaden anrichte? Wie trennt man es in entsprechender Weise von dem Privatkapitalisten und führt es über, wenn er selber nicht mehr im Dienste des sozialen Organismus produziert, an einen anderen Produzenten? Die Fragen schon müssen aus einem viel tieferen Verständnis heraus gestellt werden, als die gegenwärtige Menschheit auch nur ahnt. Die gegenwärtige Menschheit lebt eigentlich in ihren Illusionen nur deshalb, weil sie die Konsequenzen dieser Illusionen nicht in der Wirklichkeit zieht. Allerlei nationalökonomische Professoren über alle Universitäten der Welt hin lehren heute mancherlei Dinge nach dem Rezept: Wasch mir den Pelz, doch mach ihn nicht naß. - Das ist die Grundlage dieser Lehren, die so etwas nach Sozialisierung hinschielen. Die ganz alten antisozialen Lehren werden nur noch von einigen alten Knöpfen vertreten. Aber daß diese braven Professoren diese Dinge lehren, ist ja nur darum möglich, weil sie nicht die Konsequenzen ziehen. Die Konsequenzen desjenigen, was diese Professoren lehren, die ziehen Lenin und Trotzkij. Da ist ein kontinuierlicher Zusammenhang. Und man müßte eigentlich sich aufschwingen zu einem ganz anderen Denken gegenüber dem sozialen Organismus. Man müßte eben nicht bei den alten Denkgewohnheiten stehenbleiben, sondern zu neuen Denkgewohnheiten übergehen, weil die alten Denkgewohnheiten, konsequent durchgeführt, zum Raubbau führen müssen an der alten gesellschaftlichen Ordnung. Und dazu können sich die Menschen so schwer entschließen, sich zu neuen Denkgewohnheiten zu bequemen. Das wird vielleicht so lange nicht eintreten, bis die Menschen wirklich geisteswissenschaftlich denken und an den Gedanken, die sie sich an der Geisteswissenschaft angewöhnen, auch die Lehrmeister, vielleicht besser die Zuchtmeister, haben werden für die Art, wie sie sozial denken sollen. Es wird doch immer etwas Halbes bleiben, wenn man bloß soziale Lehren heute verbreitet, ohne sie zu durchtränken mit den eigentlich geisteswissenschaftlichen Lehren, die das Denken und das Empfinden und das Vorstellen, vor allen Dingen das Urteilen erst so biegsam machen, wie wir es heute brauchen, wenn wir uns hineinfügen wollen in die große Lebenskomplikation, die nun einmal über die neuere Menschheit notwendig heraufgezogen ist.

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