Antisocial Impulses and the Threefold Social Organism

GA 190/1919-03-21/p022 ·1919-03-21 · original (original)
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Nehmen Sie einmal, um ein naheliegendes Beispiel zu wählen, eine gut gemalte Landschaft, eine recht künstlerisch gemalte Landschaft. Da hat sich nun der Angehörige der bürgerlichen Klasse gewisse Empfindungen, gewisse Vorstellungen angeeignet, wie eine gut gemalte Landschaft ausschauen soll. Er stellt sich mit diesen Empfindungen, mit diesen Vorstellungen vor ein in einem Rahmen eingespanntes Landschaftsbild und bewundert das. Der Proletarier mag ja veranlaßt werden, das auch zu bewundern, weil man ihm nach und nach einreden kann, daß das zur «Bildung» gehört, so etwas zu bewundern; manche, die nicht Proletarier sind, verstehen ja auch nichts von einem Landschaftsbild und bewundern es, weil man ihnen eben eingeredet hat, daß das zur Bildung gehört. Das züchtet aber sogar die Unwahrhaftigkeit, denn wenn man nicht der Klasse angehört, wo unter denjenigen, die körperlich arbeiten, auch einige gezüchtet werden, die körperlich müßiggehen dürfen, damit sie malen können, damit sie sich ausdenken können, wie man malen muß, der bleibt nur wahr, wenn er sich einer solchen Landschaft etwa so gegenüberstellt, daß er sagt: Wozu das? Da macht einer mit Farbenklecksen auf eine Leinwand ein Stück Wald, das sehe ich ja alle Tage, wenn ich durch den Wald gehe, viel schöner. Man kann niemals ein Landschaftsbild so schön machen, als es draußen in der Natur ist: Wozu hängen die Leute, die nicht in die Natur hineinschauen wollen, um sich das Stück Landschaft anzuschauen, ein Stück Landschaft, das doch nur eine tapsige Nachahmung der Natur ist, in einem Goldrahmen in ihrem Zimmer auf? - Das würde die wahrhaftige Empfindung sein. Und diese Empfindung ruht auf dem Seelengrunde vieler Leute, die nicht herangebändigt werden, aus Bildungsuntergründen heraus die Dinge zu bewundern. Gewiß ist die Bewunderung einer gewissen Klasse ehrlich; aber die Bewunderung der weitaus größten Masse der Menschen für eine solche Landschaft kann nicht ehrlich sein, weil sie nicht mit den anderen erzogen sind.

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