Antisocial Impulses and the Threefold Social Organism

GA 190/1919-03-21/p024 ·1919-03-21 · original (original)
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Also man muß, ich möchte sagen, tiefer hineinreden in dasjenige, was heute durch die Zeit pulst, als man es gewöhnlich tut. Salbungsvolle Prediger, welche eigentlich doch nur einen Abklatsch bringen von dem, was die katholischen Kanzelredner in ihrer Art besser können, die gehen jetzt viel herum und reden davon, daß «innerlich» die Menschen sich wieder finden sollten, nachdem diese furchtbare Katastrophe der letzten viereinhalb Jahre gezeigt hat, wie wenig die Menschen zu einem in sich harmonischen Leben geneigt sind. Ja, aber innerlich kann man die Menschen nicht durch Redensarten sich finden lassen, innerlich kann man sie nur sich finden lassen, wenn man heute den Willen hat, wirklich radikal zu anderen Denk- und Empfindungsgewohnheiten überzugehen. Neulich hat einer gesagt, man müsse die Armut kennengelernt haben, um soziales Empfinden in sich zu entwickeln. Das genügt heute nicht, daß man die Armut angeschaut hat, daß man in irgendein Stadtviertel einer Großstadt gegangen ist und gesehen hat, wie die Leute zerlumpt sind, wie wenig sie zu essen haben; das genügt heute nicht. Heute genügt nur, daß man wirklich die Seelen derjenigen, die sich sozial heraufarbeiten wollen, kennt. Nicht bloß die Armut zu kennen, ist heute notwendig, sondern die Armen in ihren Seelen, in ihrem innersten Leben zu kennen, das ist heute notwendig. Dazu aber gelangt man auf keine andere Weise, als daß man einen neuen Weg zu der menschlichen Seele findet, als daß man wirklich lernt, einzudringen in das innerste Wesen des Menschen. Und dann wird man finden, daß die Menschen fürderhin nichts sein können, ohne daß sie den Spiegel ihres eigenen Wesens im sozialen äußeren Organismus finden.

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