Antisocial Impulses and the Threefold Social Organism
Auf der anderen Seite: Man stelle das Wirtschaftsleben auf sich selbst. Das ist in bezug auf konkrete Fragen wahrhaftig nicht eine Phrase. Wenn Sie das Wirtschaftsleben auf sich selbst stellen, es dem Staate abnehmen, so müssen Sie vor allen Dingen dem Staate etwas sehr, sehr Konkretes abnehmen, nämlich das Geld, die Verwaltung über die Währung. Die Verwaltung über die Währung müssen Sie dem Wirtschaftsleben zurückgeben. Die Menschen haben auf den verschiedenen Territorien, wo sie sich heraufgearbeitet haben aus der Naturalwirtschaft in die Geldwirtschaft, zunächst es gehalten mit einem Geldrepräsentanten, der so ein Zwitterding ist zwischen Ware und bloßer Anweisung. Die sehr gelehrten Leute streiten sich herum, ob Geld eine bloße Anweisung ist, ob ein Geldschein eine bloße Anweisung ist, oder ob Geld eine Ware ist. Man kann sich lange darüber herumstreiten, weil Geld eben das eine und das andere ist. Das eine ist es dadurch, weil es den wirtschaftlichen Prozeß vermittelt; dadurch ist Geld eine Ware. Das andere ist es dadurch, daß der Staat durch sein Gesetz den Wert der betreffenden Münze bestimmt. Aber das Geld muß ganz dem Wirtschaftsleben zurückgegeben werden. Dann wird eines eintreten, allerdings nur nach und nach. Damit es eintrete, muß gerade dies, was ich jetzt berühre, international werden: Das wird noch lange dauern, weil der führende Handelsstaat England von dem es ja in Wirklichkeit abhängt, daß wir Goldwährung haben, von der Goldwährung nicht leicht lassen wird. Also das wird lange Zeit dauern. Aber die auf sich selbst gestellte Wirtschaftsorganisation, der auch die Währung überlassen wird, das Geldsystem, die wird nicht mehr nötig haben, eine Ware «Gold» zwischen die anderen Waren hineinzustellen als Austauschmittel. Das braucht die Wirtschaftsorganisation nicht. Die Wirtschaftsorganisation wird allerdings auch Geld haben, aber nur zur Verteilung des Warenaustausches. Denn es wird sich ergeben, daß immer dasjenige, was die solide, wirkliche Grundlage des Wirtschaftslebens ist, daß das die Währungsgrundlage auch für das Geld ist. Gold ist nur deshalb Geld, weil Gold unter den Menschen nach und nach eine besonders beliebte Ware geworden ist, weil die Menschen übereingekommen sind, das Gold zu schätzen. Das sieht dilettantisch aus, wenn man es sagt, aber es ist viel richtiger als dasjenige, was die Nichtdilettanten, die heutigen Gelehrten, sagen. Der Wert des Goldes beruht bloß auf dem stillschweigenden Übereinkommen der Menschen über diesen Wert des Goldes. Es könnte auch etwas anderes zu einer solchen Schätzung kommen. Aber bei der Zentralisation der drei sozialen Glieder wird immer irgend etwas, was eigentlich einen bloßen Scheinwert hat, im Wirtschaftsleben zu dieser Schätzung kommen. Gold hat ja in Wirklichkeit nur einen Scheinwert. Sie können Gold nicht essen. Sie können sehr reich sein an Gold; wenn Ihnen niemand etwas dafür gibt, können Sie vom Golde natürlich nicht leben. Das beruht nur auf einer stillschweigenden
Cite:
GA 190/1919-03-21/p026 · edition original