Antisocial Impulses and the Threefold Social Organism

GA 190/1919-03-21/p029 ·1919-03-21 · original (original)
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Diese Dinge sind sehr schwierig, und man muß sehr komplizierte nationalökonomische Voraussetzungen machen - die ich bei Ihnen natürlich nicht voraussetze -, wenn man sie wissenschaftlich beweisen will; sie lassen sich aber ganz wissenschaftlich beweisen. Ich will Ihnen aber lieber ein konkretes Beispiel für das anführen, was ich meine. Sehen Sie, ich habe einmal selber eine merkwürdige Geldsorte kennengelernt - ich habe schon einmal, glaube ich, hier davon gesprochen. Diese merkwürdige Geldsorte bestand nämlich in Goethe-Briefen und Goethe-Manuskripten. Ich habe einen Herrn, nein mehrere, kennengelernt, die waren eigentlich recht klug als Finanzmänner. Sie fingen so in den fünfziger Jahren an, durch die fünfziger, sechziger, siebziger, achtziger Jahre billig Goethe-Briefe, Goethe-Manuskripte zu kaufen. Man brauchte damals nicht viel dafür zu bezahlen. Nun hatten sie sie. Nun kam die Zeit, wo alles schon aufgekauft war, wo durch Umstände, deren Schilderung zu weit führen würde, Goethe-Briefe und Goethe-Manuskripte einen großen Wert bekamen. Da wurden diese Briefe und Manuskripte verkauft. Das war ein merkwürdiges Geld, dessen Wert in ungefähr dreißig bis vierzig Jahren wesentlich gestiegen ist. Mir hat selbst einer der Herren, der das getan hat, versichert, daß keine Börsenpapiere sich so haben fruktifizieren lassen, eine Zeitlang, als Goethe-Briefe. Sie waren das beste Papier, und sie hatten eigentlich einen Geldcharakter angenommen. Man bekam sehr viel dafür. Nun denken Sie, wovon das abhing. Das hing davon ab, daß Konstellationen eingetreten waren, die ganz und gar unabhängig waren von dem ersten Entstehen. Nicht wahr, als Goethe seine Briefe geschrieben hat, waren diese Briefe vielleicht seelisch für den Empfänger sehr viel wert. Gekauft hat sie keiner. Geld waren sie dazumal noch nicht. Brot konnte man sich nicht dafür kaufen. Herr von Loeper, der in den fünfziger Jahren Goethe-Briefe kaufte, der konnte sich sehr viel Brot erwerben im Jahre 1895 für diese Goethe-Briefe. Sie waren wie gutes Geld. Die Art und Weise, wie im Wirtschaftsorganismus gewöhnliches Geld drinnensteht, ist auch nicht anders, als dieses Drinnenstehen bei den Goethe-Briefen war. Da beruhte der Wert dieser Papierstücke, auf denen Goethesche Buchstaben waren, der beruhte auf einem sozialen Prozeß, auf einem sozialen Vorgang, auf dem, was geschehen war im Zusammenhange mit der Persönlichkeit Goethes von den fünfziger Jahren zu den neunziger Jahren. Man muß eben den sozialen Organismus gut kennen, wenn man diese merkwürdigen Vorgänge beurteilen will, wo etwas, was zu einer bestimmten Zeit gar nichts besonderes im Wirtschaftsprozeß Wert zu sein braucht, Wert wird.

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