Spiritual Development and the Crisis of Materialistic Thought

GA 190/1919-03-23/p004 ·1919-03-23 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Glauben geblieben sind, die sind die größten Feinde des wahren gegenwärtigen Fortschrittes. Die Kirchen, die sich wehren gegen die neuen Wege zur Übersinnlichkeit, die sind in Wahrheit heute schon die Veranlasser, daß immer materialistischere und materialistischere Impulse in die Menschheit hereinkommen. Notwendig ist es heute, in ganz konkreter Art zu lernen, in die übersinnlichen Welten hineinzu-blicken. Wir stehen in dem Zeitalter, in dem zum Beispiel der große, gewaltige Umschwung sich vollziehen muß, daß die Menschen von Denkautomaten zu wirklichen denkenden Menschen werden. Nicht wahr, es ist schrecklich, wenn man so etwas sagt, denn die Menschen der heutigen Zeit halten sich doch selbstverständlich für denkende Menschen, und wenn man von ihnen verlangt, daß sie erst denkende Menschen werden sollen, dann betrachten sie das mehr oder weniger als eine Beleidigung. Aber es ist dennoch so. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts kam immer mehr das über die Menschen, daß sie zu Denk-automaten geworden sind. Die Menschen überlassen sich gewissermaßen heute den Gedanken, sie beherrschen nicht die Gedanken. Denken Sie sich nur einmal, was das bedeuten würde, wenn Ihnen dasselbe passieren würde mit Bezug auf andere Glieder Ihres Organismus, was den meisten Menschen gegenwärtig passiert mit Bezug auf die Denk-Organe. Fragen Sie sich, ob der heutige Mensch sehr geneigt sein kann -ich sage: sein kann -, willkürlich mit einem Gedanken zu beginnen, willkürlich mit einem Gedanken abzuschließen? Die Gedanken brodeln heute den Menschen durch den Kopf. Sie können sich ihrer nicht erwehren, sie geben sich ihnen automatisch hin. Da steigt ein Gedanke auf, der andere geht fort, das zuckt und blitzt durch den Kopf und die Menschen denken so, daß man eigentlich am besten sagen könnte, es denkt in den Menschen. Denken Sie sich, wenn dasselbe den Menschen passieren würde in bezug auf ihre Arme und Beine, wenn sie diese ebensowenig beherrschen würden, wie sie ihr Denken beherrschen. Denken Sie sich, ein Mensch würde sich heute auf den Straßen mit den Armen so benehmen, wie er sich mit dem Denkorgan benimmt! Sie können sich vorstellen, was alles an Gedanken durch den Kopf eines Menschen zuckt, wenn er über die Straße geht, und nun denken Sie sich, er würde fortwährend mit den Händen und Armen fuchteln wie mit seinen Gedanken, oder gar mit den Beinen! Und dennoch, vor dieser Epoche stehen wir, vor welcher die Menschen lernen müssen, ebenso Gewalt zu haben über ihre Gedanken, das heißt, genauer gesprochen über ihre Denkorgane, wie sie Gewalt haben über ihre Arme und Beine. In dieses Zeitalter tritt der Mensch ein. Eine gewisse innere Disziplin des Denkens ist dasjenige, was Platz greifen soll und wovon die Menschen heute noch recht weit entfernt sind.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/190/1919-03-23/p004.json
Cite: GA 190/1919-03-23/p004 · edition original