Vierter Vortrag

GA 190/1919-03-28/p018 ·1919-03-28 · original (original)
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Da müßte nun wirklich heute die Schule zu Hilfe kommen demjenigen, was eine große Kulturaufgabe ist. Übungen müßten in der Schule angestellt werden in diesem Konkretmachen der Vorstellungen, damit der Mensch anfange, wenn er etwas spricht, sich in dem Sprechen drinnen zu fühlen, im Sprechen in der Welt sich zu fühlen. Nehmen Sie zum Beispiel an, ich habe etwas auf die Tafel geschrieben. Irgend jemand sagt einem: Das begreife ich nicht. - Denken Sie an die schattenhaften Abstraktionen, die Sie manchmal in Ihrem Gemüte haben, wenn Sie sagen: Das begreife ich nicht. - Konkret würden die nämlich werden, wenn Sie sich vorstellen wollten, Sie wollten das begreifen, hin-greifen, doch Sie begreifen es nicht, Sie bleiben zurück, Sie kommen nicht an die Sache. - Aber da müßten Sie mit Ihren Händen das vorstellen. Versuchen Sie das gerade bei den wichtigsten Worten, was werden Sie dann tun? Sie werden eigentlich im Geiste Eurythmie treiben! Wenn Sie nämlich konkret sprechen, so treiben Sie im Geiste Eurythmie. Sie können gar nicht anders, als im Geiste Eurythmie treiben. Und derjenige, der in solchen Dingen lebendig drinnensteht, der empfindet die meisten heutigen Menschen — verzeihen Sie — als schreckliche Faulpelze, als Menschen, die eigentlich immer herumgehen mit den Händen in den Hosentaschen und sich nicht bewegen wollen und dann reden. Denn abstrakt vorstellen, das ist, geistig empfunden, die Hacken und auch die Fußspitzen zusammenmachen, die Hände in die Hosentaschen tun und alles so einzwängen in sich, wie man nur kann! So redet der heutige Mensch. Die Konkretheit fortlassen aus den Vorstellungen: das heißt nämlich «latsch» sein! Aber so sind die meisten heutigen Menschen. Die Menschen müssen innerlich wieder beweglich werden, das heißt, sie müssen sich mitfühlen mit der Welt. Selbst diejenigen, die das tun, die tun es manchmal nur unbewußt. Man kennt Menschen, wenn sie über etwas nachdenken, so machen sie es mit dem Finger an der Nase. Daß dies aber eine ganz konkrete eurythmische Vorstellung ist für das Sich-stark-fühlen-Wollen, um etwas zu entscheiden, dessen werden sich die Menschen gar nicht bewußt. Die Menschen denken ja heute nicht einmal darüber nach, warum sie eine rechte und eine linke Hand haben, oder warum sie zwei Augen haben. Und in den gelehrten Büchern stehen namentlich über das Sehen mit den zwei Augen die allertollsten Dinge, die eigentlich gar nichts erklären. Hätten wir nämlich nicht zwei Hände, so daß wir die linke mit unserer rechten angreifen könnten, so könnten wir nie eine ordentliche Ich-Vorstellung haben. Nur daß wir Gleiches mit Gleichem von rechts nach links angreifen, dadurch wird die Ich-Vorstellung allmählich in der rechten Weise möglich. Und geradeso wie wir mit der rechten Hand die linke zur Kreuzung bringen können, wie wir uns selber empfinden und erstaunt sind über unser Empfinden, über das, daß wir uns empfinden, so kreuzen wir auch die Augenachsen. Die sind nur nicht so sichtbar gekreuzt wie die beiden Hände. Und damit wir kreuzen können, haben wir zwei Augen, aus demselben Grund, warum wir zwei Hände respektive Arme haben.

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