Dritter Vortrag
Abstrakt solche Dinge zu wissen, hat keinen großen Wert; aber in sich fühlen, man sei ein solches Wesen, in dem Sonne und Mond wirken, das gibt innerliches Leben. Zu fühlen alles, was man übersinnlich erdenken kann und untersinnlich wollen kann, das kommt von Sonne und Mond, das läßt den Menschen zu sich sagen: Ich wandle zwar auf der Erde herum, aber bei jedem Schritt, den ich auf der Erde mache, lebt in mir nicht nur das, was auf der Erde sprießt und sproßt, und was auf der Erde sich freut und auf der Erde leidet, sondern bei jedem Schritt, den ich auf der Erde mache, leben in mir Sonne und Mond. Ich bin nicht bloß Erdenbürger, ich bin Weltenbürger. - Wenn das als lebendiges Leben im Menschen wellt und kraftet, dann kommt über sein Denken eine gewisse Kraft, die er ohne dieses Bewußtsein nicht hat. Die Menschen sollten besonders in der Gegenwart fühlen lernen, wenn sie eben auf der Erde wandeln, daß in ihnen das Weltenall lebt. Das sollte Gefühl, das sollte Empfindung werden. Gleichsam sollte der Mensch, indem er zur Sonne hinaufblickt, sich sagen: Ich bin auch von deinem Wesen, o Sonne! — Indem er zum Monde hinaufblickt, sollte er sagen: Ich bin auch von deinem Wesen, o Mond!
Cite:
GA 191/1919-10-05/p009 · edition original