Dritter Vortrag

GA 191/1919-10-05/p012 ·1919-10-05 · original (original)
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Nun, mißverstehen Sie mich aber nicht. Wenn Sie in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» nachlesen, so werden Sie sagen: Das ist aber keine Imagination, die du da gibst, wenn du von Ware redest; es ist keine Inspiration, die du da gibst, wenn du von Arbeit redest, und keine Intuition, die du da gibst, wenn du vom Kapital redest. - Ganz gewiß nicht. Man braucht nicht in die höheren Welten hinaufzusteigen, um Ware, Arbeit und Kapital zu sehen, obwohl das auch sehr interessant ist, die Spiegelbilder der Ware, der Arbeit und des Kapitals in den höheren Welten zu sehen. Aber man braucht nicht hinaufzusteigen. Man muß aber nur bekannt sein mit dem, was Imagination, Inspiration und Intuition sind, damit man das Richtige sagt über das Kapital. Das ist es, um was es sich handelt. Derjenige, der nicht bekannt ist mit Imagination, Inspiration und Intuition, der sagt eben nicht das Richtige über Ware, Arbeit und Kapital. So hängen innerlich zusammen Geisteswissenschaft und die heutige soziale Wissenschaft, und es gibt für den heutigen Menschen keinen anderen Weg als den, aufzusteigen aus dem Erdenbewußtsein zum Weltenbewußtsein so, damit er die Leichtigkeit und auch das Kraftvolle des Denkens bekommt, das ihn befähigt, das soziale Leben zu erfassen. Solange der Mensch nur so hinkriecht auf der Erde und im Grunde genommen glaubt, er sei nichts anderes als dasjenige, was er aus Pflanze, Tier und Mineralien aufnimmt, das sich nur ein bißchen anders zusammensetzt in ihm, so lange weiß sich der Mensch nicht als das richtige Wesen, das er ist. Erst dann, wenn er sich sagt: Sonne und Mond wirken in mir — dann weiß sich der Mensch als das richtige Wesen, das er ist. Das Weltenbewußtsein muß eben auf geistige Art errungen werden; auf geistige Art muß der Mensch erkennen, wie er einem größeren Weltenteil angehört, als die Erde ist.

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Cite: GA 191/1919-10-05/p012 · edition original