{"corpus":"steiner","locus":"GA 191/1919-10-05/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dem, was damit vorliegt, entkommt man eigentlich nicht, solange man in den Vorstellungen des gewöhnlichen alltäglichen Lebens oder auch in den Vorstellungen der gewöhnlichen Wissenschaft bleibt. Man kann allerlei Theorien erfinden. Was gibt es nicht alles für Theorien über das Seelisch-Leibliche und über die Wechselbeziehung oder den Parallelismus und was noch alles! Aber das sind alles ausgedachte Dinge, das ist nicht irgend etwas, was im Realen wurzelt. Denn die Menschen haben verlernt — ich habe auch das schon öfter hervorgehoben -, über diese Dinge richtig vorzustellen, weil es ihnen im Laufe der geschichtlichen Entwickelung ja verboten worden ist, wie ich gesagt habe. Im Jahre 869 war in Konstantinopel das achte allgemeine Konzil, und das hat ja den Geist abgeschafft, das hat das Dogma aufgestellt, daß der Mensch nicht besteht, wie bis an hin eine gnostische Wissenschaft gewußt hat, aus Leib, Seele und Geist, sondern das achte ökumenische Konzil hat bestimmt, daß der Mensch nur besteht aus Leib und Seele, und daß die Seele einige geistige Eigenschaften hat, daher die mittelalterlichen Scholastiker eine furchtbare Scheu hatten, von der sogenannten Trichotomie zu sprechen, von Leib, Seele und Geist; denn, das war verboten. Die heutigen Philosophieprofessoren haben zwar keine Scheu, denn sie haben sich die Scheu abgewöhnt; aber sie haben das römische Gebot noch nicht überwunden. Sie reden auch nur von Leib und Seele, von einer Zweiheit, und glauben, unbefangene vorurteilslose Wissenschaft zu tradieren, während sie nur römisch-katholische Dogmatik des achten allgemeinen Konzils von Konstantinopel eigentlich lehren. Sie glauben, es folgt aus ihrem unbefangenen Forschen, was sie aber nur sagen, weil sie in der Historie drinnenstecken.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-10-05","location":null,"word_count":263,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/191/1919-10-05/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/191/1919-10-05/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/191/1919-10-05/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}