{"corpus":"steiner","locus":"GA 191/1919-10-10/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir nicht kurzsichtig bloß sehen auf dasjenige, was gerade in der Gegenwart und in unserer Zivilisation der letzten drei bis vier Jahrhunderte sich vollzogen hat, sondern wenn wir umfassender den Gang der Menschheitsentwickelung ins Auge fassen, dann wird es uns auffallen können, daß alte Zeiten als Grundlage der Kultur, als Grundlage auch der alltäglichen Lebenskultur etwas gehabt haben, was wir gegenwärtig eigentlich nur noch zu glauben haben. Diese alten Kulturen, namentlich die heidnische Kultur, hatten einen gewissen wissenschaftlichen Charakter, so daß die Menschen sich bewußt waren, in ihrer Seele lebt etwas nach von dem ganzen Weltenall. Sie brauchen nur daran zu denken, wie lebendig die Vorstellungswelten noch der Griechen waren über das, was hinausgeht über das Alltägliche, was Götter- und Geisterwelt hinter der sinnlichen Welt ist. Und Sie brauchen sich nur daran zu erinnern, wie lebendig in das alltägliche Leben eindrang dasjenige, was diesen Menschen älterer Kulturen einen gewissen Zusammenhang mit einer von ihnen gewußten geistigen Welt gab. Bei allem alltäglichen Handeln haben diese Menschen der alten Kulturen durchaus ein Bewußtsein davon gehabt, in einer Welt zu stehen, die sich nicht erschöpft in der Alltäglichkeit, sondern in die hereinwirken geistige Wesenheiten. Unter dem Antriebe von geistigen Kräften wurde das alltägliche Handeln vollzogen. Insbesondere also, wenn wir zurückblicken in die heidnischen Kulturen, finden wir einen wissenschaftlichen Grundcharakter, von dem wir sagen können: Die Menschen hatten — wir können es so ausdrücken — eine Kosmogonie. Das heißt, sie wußten sich als Glieder des ganzen Weltenalls; sie wußten, daß sie nicht bloß verlorene Wesen sind, die hier auf dem grünen Rasen der Erde wie Lämmer herumgehen, sondern die im Zusammenhange stehen mit dem ganzen weiten Weltenall, und die ihre Bestimmung haben in dem ganzen weiten Weltenall. Eine Kosmogonie hatten die Menschen der alten Zeiten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-10-10","location":null,"word_count":292,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/191/1919-10-10/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/191/1919-10-10/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/191/1919-10-10/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}