Vierter Vortrag
Sie wissen ja, daß hier immer wieder und wiederum hingewiesen werden mußte auf die Phraseologie des Wilsonismus. Diese Phraseologie des Wilsonismus ist in westlichen Ländern durch lange Zeit sehr verbreitet gewesen. Sie hat sogar vom Oktober 1918 an Mitteleuropa ergriffen. Da hat die Illusion nur nicht lange gedauert, aber es hat diese Phraseologie Mitteleuropa ergriffen. Hier mußte immer wieder darauf hingewiesen werden, und ich erinnere mich, wie immer eine kleine Bewegung entstand, wenn immer wieder und wieder durch die Jahre auf die Aussichtslosigkeit, auf die Leerheit und Abstraktheit dessen hingewiesen wurde, was sich an den Namen Woodrow Wilson knüpft. Aber jetzt fängt man an, wie es scheint, sogar in Amerika, diese Abstraktheit und Leerheit des Wilsonismus ein wenig zu durchschauen. Es hat sich hier nicht um eine Völkergegnerschaft gehandelt gegen Woodrow Wilson; es hat sich hier nicht gehandelt um einen Antagonismus, der aus Europa kam, es hat sich gehandelt um einen Antagonismus, welcher aus der Auffassung unserer Zivilisationskräfte hervorkam. Es hat sich darum gehandelt, den Wilsonismus zu charakterisieren als den Typus des abstrakten, des unwirklichsten menschlichen Denkens. Wilsonsches Denken ist dasjenige, das so einseitig gewirkt hat, weil es den amerikanischen Impuls in sich aufgenommen hat, ohne den Freiheitsimpuls wirklich zu haben — denn das Sprechen von Freiheit ist ja kein Beweis dafür, daß der Freiheitsimpuls wirklich da ist —, und ohne den Impuls eines wirklichen Altruismus zu haben.
Cite:
GA 191/1919-10-10/p026 · edition original