Vierter Vortrag

GA 191/1919-10-10/p031 ·1919-10-10 · original (original)
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Von all diesem kommt es her, daß heute von so vielen Dingen geredet wird, die eigentlich der Niedergangskultur angehören, aber geredet wird so, als ob sie etwas darstellten, was wie ein Ideal wirken soll. Wir haben durch Jahre gehört, wie verkündet worden ist: Jedes Volk muß die Möglichkeit haben, nun, ich weiß schon nicht, wie zu leben - auf seine eigene Art oder so irgend etwas. — Nun frage ich Sie: Was ist denn für den heutigen Menschen, wenn er ehrlich und aufrichtig ist, ein Volk? Eine Phrase ist es in Wirklichkeit, es ist ja keine Realität. Man kann von einem Volk sprechen, wenn man von einem Volksgeist spricht in dem Sinne, wie das in der Anthroposophie geschieht, wenn eine Realität dahintersteckt, aber nicht, wenn man ein Abstraktum meint. Und ein Abstraktum meinen heute die Menschen, die von der Freiheit der Volkstümer und so weiter sprechen, denn sie glauben ja nicht an die Realität irgendeines Volkswesens. Darinnen liegt die tiefe innerliche Unwahrheit, der man heute huldigt, daß man nicht glaubt an die Realität des Volkswesens, aber von der Freiheit des Volkes redet, als ob das Volk für den heutigen materialistischen Menschen etwas wäre. Was ist das deutsche Volk? Neunzig Millionen Menschen, die man A plus A plus A zusammenzählen kann! Das ist kein in sich geschlossenes Volkswesen, an das die Menschen glauben. Und so mit den anderen Völkern. Und man redet von diesen Dingen, und man glaubt von Realitäten zu reden und lügt sich innerlichst an.

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Cite: GA 191/1919-10-10/p031 · edition original