{"corpus":"steiner","locus":"GA 191/1919-10-12/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, das Bewußtsein, ein Geistiges in sich zu erleben, das ist allmählich verlorengegangen. Das ist der tiefere geistige Grund der Sache. Gehen wir weiter zurück, vor den dritten nachatlantischen Zeitraum, der also in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts schließt und im 3., 4. Jahrtausend beginnt, so kommen wir noch zu einer ganz anderen Struktur. So paradox es den heutigen Menschen erscheint, im 4. Jahrtausend oder gar im 5. Jahrtausend gab es keinen Erdenmenschen, der glaubte, das sei das Wesentliche, was an ihm von Vater und Mutter abstammt. Damals glaubten die Menschen durchaus noch, daß sie in bezug auf ihr Wesentliches vom Himmel heruntergestiegen seien, wenn ich mich so ausdrücken darf. Das war fester Glaube der Menschen. Sie sahen sich nicht als irdischen Ursprungs an, sie sahen sich als geistigen, als spirituellen Ursprungs an. Und die Juden verzeichnen denjenigen Zeitraum, wo die Menschen angefangen haben, sich als physische Menschen zu fühlen, als Menschen im Fleische zu fühlen, als den Sündenfall, als den Beginn, wo den Menschen die Erbsünde ergriffen hat. Aber eigentlich hat diese Erbsünde den Menschen mehrmals ergriffen. Zunächst hat sie ihn ergriffen im Beginne des dritten nachatlantischen Zeitraumes, als er einen Teil von sich auf Vater und Mutter, auf das Blut zurückgeführt hat und nur geglaubt hat, ein Spirituelles stülpe sich über ihn drüber. Das zweite Mal hat sie ihn ergriffen, als er begonnen hat, das Intellektuelle nurmehr als Erbliches anzusehen. Das war ungefähr im 4. nachchristlichen Jahrhundert, der zweite Sündenfall, denn von da an wurde die Intellektualität als etwas Erbliches angesehen, als etwas mit der Leiblichkeit Verknüpftes. Und in der Zukunft kommen noch andere Sündenfälle.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-10-12","location":null,"word_count":269,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/191/1919-10-12/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/191/1919-10-12/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/191/1919-10-12/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}