Sechster Vortrag

GA 191/1919-10-12/p025 ·1919-10-12 · original (original)
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Es war gerade meine Aufgabe in diesen drei Tagen, Sie darauf hinzuweisen, wie die Zivilisation der Gegenwart angesehen werden muß mit Bezug auf die mögliche Weiterentwickelung der Menschen. Sehen Sie, unsere Erde als Erde mit alldem, was darauf ist, ist bereits in ihre Verfallsperiode, in ihre Dekadenzperiode eingetreten. Ich habe das auch schon öfters erwähnt, daß selbst einsichtige Geologen dies ja schon verzeichnen. Man kann schon rein äußerlich, physisch nachweisen mit ganz strenger, exakter Geologie, daß die Erde bereits am Zerbrechen ist, daß die aufsteigende Entwickelung der Erde aufgehört hat, daß wir wirklich auf den zerbrechenden Erdschollen herumgehen. So ist aber nicht nur das mineralische Erdreich im Zerbrechen, so ist auch alles das, was organisch auf der Erde herumläuft, schon im Zerbrechen, schon im Zerfall. Auch die Leiber der Pflanzen, der Tiere, der Menschen, sind nicht mehr in aufsteigender Entwickelung, sind im Zerfall. Wir haben nicht mehr die Organisation, die man hatte bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert, oder die man hatte in der Zeit des alten Griechentums. Wir haben eine verfallende Organisation, und mit uns ist die Erde in der Dekadenz. Das Physische der Erde ist in der Dekadenz. Ich habe zum ersten Mal auf diese Erscheinung schon vor vielen Jahren bei einem Vortrag in Bonn aufmerksam gemacht, aber diese Dinge werden gewöhnlich nicht mit dem nötigen Gewichte genommen. Wir sind in brüchigen Leibern, aber das Gegenstück dazu müssen wir auch betrachten: Wir sind zwar in brüchigen Leibern, aber gerade aus unseren brüchigen Leibern entwickelt sich um so mehr die Geistigkeit, wenn wir uns ihr nur hingeben.

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Cite: GA 191/1919-10-12/p025 · edition original