Sechster Vortrag

GA 191/1919-10-12/p031 ·1919-10-12 · original (original)
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Es ist schon notwendig, daß die Dinge, um die es sich hier handelt, in ihrer vollen Schwere, in ihrem ganzen Gewicht genommen werden, daß man nicht glaubt, man kann mit Geisteswissenschaft spielen. Man kann damit nicht spielen. Eine Sonntagnachmittag-Predigt läßt sich aus wirklicher Geisteswissenschaft nicht herauszimmern. Dasjenige, was sich die Menschen an Gewohnheiten aus den alten religiösen Bekenntnissen angeeignet haben, wo sie nur eine innere Seelenwollust entwickeln wollen durch allerlei Lehren von Reinkarnationen und Karma, das läßt sich aus diesen Lehren, wenn man sie ernst nimmt, nicht herausentwickeln. Diese Lehren wollen ins Leben eingreifen; diese Lehren wollen zu Taten werden durch das, was sie selber sind. Deshalb ist es nicht irgendeiner subjektiven Laune entsprechend, daß dasjenige, was in der Geisteswissenschaft lebt, auch sich in allerlei sozialen Ideen nunmehr ausgestalten muß, sondern es ist im Grunde genommen eine Selbstverständlichkeit. Es gehört zu dem allem. Wer freilich im modernen naturwissenschaftlichen Sinne von Entwickelung und Evolution redet und eigentlich keine Ahnung davon hat, daß in Evolution zuerst ein Aufstieg da ist und dann ein Verfall, der wird auch nicht verstehen wollen, daß wir in bezug auf die Erdenentwickelung schon in einem Verfall drinnen leben, und der wird aus dem, was verfällt, Kräfte herausarbeiten wollen zu einer Regeneration. Das ist nicht mehr möglich.

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Cite: GA 191/1919-10-12/p031 · edition original