Fünfzehnter Vortrag

GA 191/1919-11-15/p005 ·1919-11-15 · original (original)
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Blicken wir zurück zu dem Zeitpunkt, da der Mensch anfing, eigentlicher Erdenbürger zu werden, da der Mensch herabstieg seinem geistig-seelischen Wesen nach auf die eigentliche Erde, sich umkleidete mit den Kräften der Erde und irdisches Wesen in irdischer Sphäre wurde. Wenn alles nur so gewesen wäre, daß der Mensch mit den Vorbedingungen, die in seinem eigenen Wesen lagen, auf die Erde herabgestiegen wäre, so würde die Menschheit sich ganz anders entwickeln müssen, als sie sich in Wirklichkeit durch die verschiedenen Kulturepochen hindurch entwickelt hat. Die Menschen hätten schon damals ausgehen müssen von einer gewissen Beziehung zur Umwelt. Sie hätten sich erwerben müssen aus, ich möchte nicht gerade sagen, hellseherischen, aber etwas hellseherischen Instinkten heraus, Erdenerkenntnis. Diese Erdenerkenntnis hätten sie sich sehr langsam erwerben können. Sie würden lange Zeit ungeschickte, kindliche Wesen geblieben sein. Sie würden sich allerdings bis in unsere Zeit herein heraufgearbeitet haben bis zu einer gewissen menschheitlichen Seelen- und Leibesverfassung, aber sie würden keineswegs zu derjenigen geistigen Höhe gekommen sein, zu der sie gekommen sind. Daß sie sich anders als durch die verschiedenen Kindheitsstufen hindurch entwickeln konnten, das ist dem Umstande zu verdanken, daß in die Erdenentwickelung hinein sich verflochten haben diejenigen Wesenheiten, die wir immer genannt haben die luziferischen Wesenheiten. Jetzt, seit neuerer Zeit wissen wir ja auch, daß eine Luziferindividualität selbst sich in einem gewissen Zeitpunkt der vorchristlichen Zeitrechnung in Asien inkarniert hat, und daß von dieser luziferischen Wesenheit die heidnische Urweisheit, namentlich diejenige, die noch zu bemerken ist auf dem Boden der historischen Tatsachen, ausgegangen ist. Aber im Spiel, möchte ich sagen, der Menschheitsentwickelung waren immer die luziferischen Wesenheiten dabei. Nun möchte ich Sie ganz ernstlich bitten — obwohl ich weiß, wie wenig solche Bitten eigentlich nützen -, wenn von luziferischer Wesenheit gesprochen wird, nicht an dieses Denken über luziferische Wesenheit mit voller Spießigkeit, mit voller Philistrosität heranzutreten. Denn es herrscht heute noch vielfach auch unter denjenigen, die sich zur anthroposophischen Bewegung bekennen, die Neigung, zu sagen - ich habe öfter von dieser Neigung gesprochen -: Ja, das ist ja luziferisch, um Gottes willen, nur nicht dem sich nahen, nur das ja von sich weisen! — Es handelt sich darum, daß alle diese Dinge von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beurteilt werden müssen, und daß streng ins Auge zu fassen ist, daß eben die ganze heidnische Urweisheit von luziferischer Quelle ausgegangen ist. Aber es muß studiert werden, wie das eigentlich sich vollzogen hat. Und je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, desto mehr finden wir gewisse Menschen, die durch ihre in ihren Reinkarnationen gelegenen Vorbedingungen dazu reif waren, sich bekanntzumachen mit denjenigen Weistümern, die im Besitze der luziferischen Wesenheiten sind. Wir sprechen ja zum Beispiel von den sieben heiligen Rishis der Inder. So wie der Inder selbst immer, wenn er aus seiner Weisheit heraus gesprochen hat, aufgefaßt hat die Weisheit der sieben heiligen Rishis, wußte er, insofern er ein Eingeweihter war in diese Dinge, daß die eigentlichen Lehrer der Rishis luziferische Wesenheiten waren. Denn dasjenige, was die luziferischen Wesenheiten in die Erdenentwickelung mitgebracht haben, in die sie, wie gesagt, sich hineinverflochten haben, das ist vor allen Dingen alles dasjenige, was die die menschliche Kultur durchsetzende Gedankenwelt, die intellektualistische Gedankenwelt, die im besten Sinne des Wortes vernünftige Welt, die Weisheitswelt, immer war. Gerade wenn man an den Menschheitsursprung zurückgeht, dann findet man, daß die Quellen für die heidnischen Weistümer immer in luziferischen Wesenheiten zu suchen sind.

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