Fünfzehnter Vortrag
Man kann fragen: Ja, wie ist denn so etwas eigentlich möglich? — Da muß man sich klar darüber sein, daß ja der Mensch eben hätte kindlich bleiben müssen, wenn er nicht fortdauernd den aus den Mysterien heraus kommenden Unterricht von allerlei luziferischen Wesenheiten hätte bekommen können. Das Wesentliche ist, daß diejenigen, die zum Fortschritt, zur Heranbildung der Menschheit das nötige Wissen, die nötige Weisheit haben mußten, eben die Erb- und Urweisheit, sich nicht wie ein moderner Philister scheuten, diese Weisheit zu empfangen vom luziferischen Elemente, sondern daß sie auch alles das auf sich nahmen, was der Mensch auf sich nehmen muß, wenn er solchen Unterricht aus Geistessphären von luziferischen Wesenheiten erhält. Da mußte der Mensch vor allen Dingen auf sich nehmen — man könnte es Verpflichtung nennen, obwohl natürlich solche Worte nicht immer ganz genau das Wesen der Sache ausdrücken können diese luziferische Weisheit, die ja Weltenweisheit ist, [im Dienste der Erdenentwickelung als gute Weisheit zu gebrauchen]. Der Unterschied zwischen der guten Weisheit und der luziferischen Weisheit besteht ja darin, daß die gute Weisheit in anderen Händen ist, und die luziferische Weisheit, die inhaltlich dieselbe ist, in luziferischen Händen; der Inhalt ist ganz derselbe. Das ist dasjenige, um was es sich handelt. Es handelt sich nicht darum, daß es eine Weisheit gibt, die man sich so hübsch in seine Seelenkammer einpökeln kann, damit man dann dadurch ein guter Mensch wird, sondern es handelt sich darum, daß die Weisheit zwar eine einheitliche ist in der Welt, daß der Unterschied nur der ist, daß sie zum Beispiel in den Händen der weisen Menschen, die sie gut verwalten, oder in den Händen der Angeloi, Archangeloi und so weiter, oder aber in den Händen Luzifers sein kann. Von anderer Seite her war in den alten Zeiten für den Menschheitsfortschritt die Weisheit nicht zu erlangen. So mußten die Eingeweihten der alten Zeiten sie aus den luziferischen Händen entgegennehmen, und sie mußten eben die Verpflichtung eingehen, nicht den anderen Aspirationen der luziferischen Wesenheiten zu verfallen.
Cite:
GA 191/1919-11-15/p006 · edition original