Fünfzehnter Vortrag
Diese Dinge gehören eben zu jener Initiationswissenschaft, die nach und nach die Menschheit erfahren muß, trotzdem die jahrhundertealte Philistererziehung der zivilisierten Welt die Menschen zurückbeben läßt vor diesen Wahrheiten. Man hat ja so lange dieses karikierte Abbild von Luzifer und Ahriman, das der mittelalterliche Teufel zugleich ist, den Menschen vorgehalten. Man hat die Menschen so lange in einer philisterhaften Atmosphäre aufwachsen lassen, daß sie diese Weistümer, die aber mit der Entwickelung der Menschheit innig zusammenhängen, heute immer noch eigentlich nur mit Schaudern aufnehmen, denn es ist ja den Menschen so furchtbar angenehm, wenn sie sagen können: Vor dem Teufel hüte ich mich, dem Christus gebe ich mich gefangen in kindlicher Einfalt, dann werde ich selig, dann bin ich mit meiner Seele unter allen Umständen gerettet. — So leicht in seinen Untergründen ist das Menschenleben eben nicht. Es handelt sich durchaus darum, daß für die Zukunft der Menschheitsentwickelung diese Dinge, von denen wir jetzt reden, der Menschheit nicht vorenthalten werden dürfen. Denn es muß gewußt werden, daß gerade die Kunst des Sprechens und die Kunst des Denkens etwas ist, was in diese Erdenentwickelung nur hat hereinkommen können dadurch, daß der Mensch es auf dem Umwege durch die luziferische Vermittlung erhalten hat. Ich möchte sagen: Sie können heute noch Ihrem Denken das luziferische Element anmerken. Über die Sprachen, die ja seit langem differenziert der Erde angepaßt sind, ist Ahriman bereits hergefallen, der die Differenzierung bewirkt hat, der die einheitliche Sprache in die differenzierte Erdensprache heruntergebildet hat. Während Luzifer immer die Tendenz der Vereinheitlichung hat, ist das ahrimanische Prinzip von der Tendenz durchdrungen, zu differenzieren. Wie wäre denn das Denken, wenn es nicht luziferisch wäre?
Cite:
GA 191/1919-11-15/p011 · edition original