Fünfzehnter Vortrag
Im Lichte dieser Tatsachen muß die Menschheitsevolution überhaupt gesehen werden. Wer heute die Weltgeheimnisse so darstellt, wie es geschehen muß in der Geisteswissenschaft, der wird gerade wegen wesentlicher Dinge zuweilen arg verspottet. Namentlich wenn man heute gezwungen ist, wie ich es zum Beispiel machen mußte in meinem Buche «Theosophie», immer wieder und wiederum nach der Siebenzahl der Dinge zu schildern, dann spotten die Leute über dieses Schildern nach der Siebenzahl. Ich will morgen über einen solchen Spott, der wiederum dargebracht worden ist, noch sprechen. Aber wenn man den Regenbogen in sieben Farben teilt oder die Oktave, die Tonskalen in die Prim, Sekund, Terz und so weiter teilt, und die Oktave dann die Wiederholung ist der Prim, dann spotten die Leute nicht mehr! Im Physischen nehmen die Leute diese Sachen hin, aber im Geistigen darf das nicht sein! Was da wiederum errungen werden muß, war einmal ein Bestandteil der heidnischen Urweisheit. Und ein letztes Flimmern dieser heidnischen Urweisheit in bezug auf so etwas wie die Siebenzahl sehen wir in der Pythagoreer-Schule, die eigentlich ein Mysterium war. Sie können überall in den Schulbüchern heute über Py/bagoras lesen, werden aber nirgends Verständnis dafür finden, warum Pythagoras die Weltenordnung auf die Zahl gebaut hat. Das war aus dem Grunde, weil die Urweisheit alles auf die Zahl gebaut hat. Aber der letzte Funke der Einsicht gerade in die Zahlenweisheit war noch vorhanden, als Pythagoras seine Schule begründete. Andere Glieder der Urweisheit sind länger geblieben; manches hat sich sogar erhalten bis in die Zeiten des 16., 17. Jahrhunderts herein. So hören wir zum Beispiel noch manches physikalisch Vernünftige bis in das 15., 16. Jahrhundert herein von dem oder jenem erzählen mit Bezug auf die höheren Welten. Dann versiegt allmählich, wenn ich so sagen darf, der Urverstand der Menschheit.
Cite:
GA 191/1919-11-15/p024 · edition original