Dritter Vortrag

GA 192/1919-05-01/p020 ·1919-05-01 · original (original)
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Ich habe Ihnen das erzählt, und Sie werden danach schon beurteilen können, daß das immerhin ein ernstzunehmender Mann ist: Ernst Mach, der aus einem Naturforscher Philosoph gewordene Ernst Mach. Nun, er hat wieder verschiedene Schüler. Seine Weltanschauung ist der von Mauthner nicht unähnlich, nur daß Ernst Mach weniger zur Zweifelssucht, zur Haltlosigkeit gekommen ist, sondern einfach an das Spiel der Gedanken glaubt. Das Ich selber ist ihm ein bloßer Mythos, wie auch bei Mauthner, nur ist Mach damit zufrieden. Man muß aber diesen Ernst Mach studieren und dann sein Leben kennenlernen, die ganze Persönlichkeit kennenlernen. Ich erinnere mich selbst, wie ich zuerst Ernst Mach gesehen habe in der Wiener Akademie der Wissenschaften, wo er einen Festvortrag hielt über die Ökonomie des Denkens, wo er alles das, was man denkt, bloß wie eine Anordnung der Gedanken nach dem Prinzip des kleinsten Kraftmaßes erklärte. Ich hatte damals eine große Wut auf diese Darstellung des Denkprozesses. Dann hat er das ausgebaut, hat seine Bücher geschrieben, welche auf viele Leute einen großen Einfluß gewonnen haben. Kennt man sonst sein Leben, dann weiß man: Er war ganz gewiß ein sehr, sehr braver, dem Staate, dem er durch sein Lehrfach diente, sehr gehorsamer Staatsbürger, mit Bezug auf sein Gelehrtentum ein typischer Vertreter des sich in der neueren Zeit heraufentwikkelnden Denkens. Ich könnte Ihnen noch einen ähnlichen Denker nennen. Mach hat selber nicht in Zürich gelehrt, sondern nur ein Schüler von ihm: Friedrich Adler, derselbe Adler, der dann den österreichischen Minister Stürgkh erschossen hat. Aber ein zwar viel abstrakter noch denkender Mann hat in Zürich eine der Machschen Philosophie, der Machschen Weltanschauung sehr ähnliche Weltanschauung vertreten: Richard Avenarius. Ich kann Ihnen nicht raten, die Bücher von Avenarius zu lesen; Sie würden sie nach der zweiten Seite wegwerfen. Sie sind in einer unverständlichen Sprache geschrieben. Es würde für Sie nur das eine Unerklärliche vorliegen: wie es denn kommt, daß sich doch sehr, sehr viele Menschen in die Bücher von Avenarius vertieft haben und sich aus seiner Philosophie heraus heute eine Weltanschauung gebildet haben.

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Cite: GA 192/1919-05-01/p020 · edition original