Siebenter Vortrag

GA 193/1919-09-13/p005 ·1919-09-13 · original (original)
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Nun können Sie aber die Frage aufwerfen, und die muß im Anschluß an unsere gestrige Betrachtung aufgeworfen werden: Wie kommt der Mensch zunächst dazu, sich mit den geistigen Welten so zu befassen, daß er auch in der Zukunft der Erdenentwicklung seine Beziehungen zu den höheren Hierarchien aufrechterhalten kann? Da werde ich Ihnen Dinge zu sagen haben, die zunächst scheinbar mit dieser Frage nicht viel zu tun haben. Aber wir werden sehen, daß gerade diese Dinge uns die Grundlagen dafür schaffen, von der Gegenwart ab in die Zukunft hinein, unsere Beziehung zur geistigen Welt wieder neu herzustellen. Das erste, auf das wir da unseren Blick lenken müssen, ist die Wirksamkeit der verschiedenen Konfessionen, der verschiedenen konfessionellen Bekenntnisse, die es in der zivilisierten Menschheit gibt. Bis jetzt lag eine gewisse Notwendigkeit vor, daß die Konfessionen Herz und Sinn der Menschenseele so zur geistigen Welt hinlenkten, wie sie das getan haben. In Zukunft werden die Konfessionen entweder dazu beitragen, den Menschen von der geistigen Welt abzuschnüren, oder sie werden in ihre Bestrebungen etwas ganz Neues eintreten lassen müssen. Die Konfessionen der Gegenwart sind im Grunde genommen auf dem Egoismus der Menschen aufgebaut, und wir brauchen nur eine der allerwichtigsten Fragen vor unsere Seele hinzustellen, die das Leitmotiv für die konfessionellen Betrachtungen bildet und bilden muß: die Frage nach der Unsterblichkeit der Menschenseele - und wir können an der Art, wie diese Frage zumeist von den Konfessionen behandelt wird, ersehen, daß in dieser Behandlung stark auf den egoistischen Trieb der Menschen gerechnet wird. Reden doch die Konfessionen zumeist-allerdings aus tieferen Untergründen heraus, die wir heute nicht besprechen wollen -, indem sie über die Unsterblichkeit reden, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode, das heißt, sie reden von der Fortsetzung des menschlichen Seelenlebens nach dem Tode. Man kann verhältnismäßig leicht zu den Menschen sprechen, wenn man von diesem Gesichtspunkte aus über die Unsterblichkeit spricht, denn der menschliche Egoismus macht sich in dieser Frage gerade im eminentesten Sinne geltend. Er kann es einfach nicht ertragen - jetzt ganz abgesehen von allen Wahrheiten auf diesem Gebiete -, nicht fortzuleben nach dem Tode, so daß wir immer eine gewisse verständnisvolle Seite in der menschlichen Seele finden, wenn wir vom Leben nach dem Tode sprechen. Und Sie können ganz sicher sein: diejenigen Menschen, welche der Unsterblichkeitsfrage, so wie sie heute zumeist behandelt wird, Interesse entgegenbringen, sie bringen ihr von diesem Gesichtspunkte aus ein egoistisches Interesse entgegen. Sie möchten nicht seelisch auch sterben. Selbstverständlich wird auch jede Zukunftsanschauung, die über die Unsterblichkeit der Seele sprechen wird, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode zu sprechen haben, denn man hat es dabei, wie Sie alle aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wissen, mit einer Tatsache der Wirklichkeit zu tun. Aber die Art, wie in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft über das Fortleben der seele nach dem physischen Tode des Menschen gesprochen wird, ist von den Konfessionen noch längst nicht angenommen.

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Cite: GA 193/1919-09-13/p005 · edition original