Siebenter Vortrag

GA 193/1919-09-13/p008 ·1919-09-13 · original (original)
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Noch andere Dinge werden in der Gegenwart notwendig erkannt werden müssen. Die Menschen wissen heute noch nicht ein Geheimnis des Lebens, das mit dem gegenwärtigen Entwicklungszeitpunkt der Menschheit innig zusammenhängt. In älteren Zeiten, vor der Mitte des 15. Jahrhunderts, brauchte man auf dieses Geheimnis keine große Rücksicht zu nehmen. Heute ist es notwendig, darauf hinzuschauen. Dieses Geheimnis des Lebens besteht darin, daß der Mensch, wie er jetzt konstituiert ist - leiblich, seelisch, geistig -, in der Nacht in einer gewissen Weise jedesmal auf die Ereignisse des kommenden Tages blickt, aber so, daß er diese Ereignisse des kommenden Tages nicht immer braucht im vollen Tagesbewußtsein zu haben. Der es hat, das ist sein Angelos. Also, was in einer Nacht erlebt wird in der Gemeinschaft mit dem Wesen, das wir als Engel bezeichnen, ist eine Vorschau auf den kommenden Tag. Nun müssen Sie das nicht vom Standpunkte der menschlichen Neugier aus betrachten, das wäre ein ganz falscher Gesichtspunkt, sondern vom Standpunkt des praktischen Lebens aus. Nur dann, wenn der Mensch ganz innerlich durchdrungen ist von dieser Gesinnung, wird er in der richtigen Weise Entschlüsse fassen, wird er Gedanken herübernehmen in seinen Tageslauf hinein. Nehmen wir an, ganz konkret, der Mensch solle zu irgendeiner Tageszeit, zum Beispiel um zwölf Uhr, etwas tun. Über das, was er da tun soll, war schon Verhandlung zwischen ihm und seinem Angelos in der vorhergehenden Nacht. Das ist so mit dem Menschen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er braucht es nicht im Bewußtsein zu haben, es ist nicht auf seine Neugier abgesehen. Aber der Mensch sollte von dieser Gesinnung durchdrungen sein, daß er das, was er mit seinem Engelwesen in der vorhergehenden Nacht verhandelt hat, fruchtbar machen soll im Laufe des Tages.

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Cite: GA 193/1919-09-13/p008 · edition original