Siebenter Vortrag
Man wird nicht darüber zur Klarheit kommen, wenn man diese Tatsache, daß die Menschheit in eine solche Unruhe gekommen ist, nicht ausdehnt auf den Zeitraum, den man als Geschichte bezeichnet. Man wird sich sagen müssen: Was in den letzten vier bis fünf Jahren als Waffenkampf geschehen ist, das ist nur der Anfang von Ereignissen, die sich auf einem ganz anderen Gebiete abspielen werden, die aber in ihrer Art auch noch nicht in der Menschheit dagewesen sind. Wir stehen nicht am Ende - das sagt sich nur eine oberflächliche Betrachtung der Menschheitsentwicklung -, wir stehen am Ausgangspunkte der größten Kämpfe, der geistigen Kämpfe der zivilisierten Welt. Und alle Sorge müssen wir darauf wenden, diesen Kämpfen gewachsen zu sein. Orient und Okzident drohen immer mehr und mehr, in den nächsten Zeiten seelenhaft einander gegenüberzustehen. Denn Orient und Okzident haben sich nach zwei ganz verschiedenen Richtungen hin entwickelt. Will man in diese Dinge hineinschauen, dann muß man sich gewisse Erscheinungen der Gegenwart tief-gründlich als Rätsel vorlegen.
Cite:
GA 193/1919-09-13/p013 · edition original